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Jäger sein wollen, bedeutet viele Aufgaben erfüllen zu müssen!

Über das Bild des Jägers in der Gesellschaft wird viel diskutiert. Meine persönliche Vorstellung von der Jagdausübung hat sich durch aktives Mitwirken am Jagdgeschehen seit Kindertagen entwickelt und setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen. Hier ein kleiner Einblick in die Arbeit, die wir Jäger täglich mit viel Herzblut erledigen.

Für mich sind wir Jäger nämlich:

  1. Heger, Lebensraumerhalter und -verbesserer

Als Jäger ist unsere größte Aufgabe die Wildhege.
Zum besseren Verständnis: Im OÖ. Jagdgesetz wird der Begriff „Wildhege“ definiert als „… Maßnahmen zum Zwecke der Entwicklung und Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildstandes …“. Diese Definition trifft unsere Aufgabe, unser Interesse, auf den Punkt. Wir tragen Verantwortung für die uns anvertraute Umwelt. Mit unserem Wirken und Eingreifen wollen wir unser Möglichstes tun, unser Ökosystem in einer intakten Form zu erhalten und es im besten Fall sogar zu verbessern.

  1. Lebensmittelproduzenten

Natürlich gehört des Menschen ureigenster Trieb, das Beutemachen und somit das Schießen, auch zum Bild eines Jägers. Dadurch wird ein extrem hochwertiges Lebensmittel gewonnen – Wildbret. Ein artgerechtes Leben, wenig Stress, keinerlei Behandlungen mit Medikamenten und eine stressfreie Tötung kennzeichnen diese Fleischgewinnung. Daraus ergibt sich qualitativ hochwertiges Lebensmittel, das lokal bezogen werden kann.

  1. Brauchtumsbewahrer

Wir Jäger leben ein Brauchtum, das sich über Jahrhunderte aufgebaut hat. Dazu gehören unter anderem unsere Kleidung, Musik, Riten und Sprache, aber auch bei Gesellschaftsjagden der „Schüsseltrieb“ im Wirtshaus und vieles mehr.
Im jagdlichen Brauchtum zeigt sich in vielfältiger Weise der Respekt vor dem Geschöpf. Sei es im Streckenlegen, dem „Letzten Bissen“, dem Verblasen der Strecke durch Jagdhornbläser, etc. – Jäger sein bedeutet, auch demütig zu sein.

  1. Hundeführer

Jagd ist in vielen Fällen eine Teamaufgabe. Ohne unsere vierbeinigen Jagdgehilfen stünden wir vor vielen unlösbaren Aufgaben. Die Ausbildung eines Jagdhundes bedarf Gefühl, Geduld, Übungsmöglichkeiten und besonders viel Zeit. Der Lohn dafür ist ein verlässlicher Gefährte und Jagdhelfer.

  1. „Wildunfallort-Bereiniger“

Egal ob bei Tag oder Nacht, das Telefon eines Jägers kann immer klingeln und ein Wildunfall kann gemeldet werden. Dabei ist es egal, ob es regnet oder stürmt, das verunglückte Tier muss immer geborgen, manchmal davor noch erlöst werden. Das ist nicht immer problemlos und nie ein schöner Anblick, doch auch dafür sind wir zuständig.
Die verlässliche und sofortige Meldung eines Wildunfalls bei der Polizei erleichtert uns dabei die Arbeit und kann dem verunglückten Tier viel Leid ersparen!

  1. Vermittler, Multiplikator

Gerne geben wir Jäger auch einen Einblick in unser Tun. Auf Messen, bei Schulbesuchen und bei vielen anderen Veranstaltungen informiert der OÖ. Landesjagdverband versucht der nichtjagenden Bevölkerung näherzukommen.
Schauen Sie gerne immer wieder hier auf unserer Website www.fragen-zur-jagd.at oder auf die Homepage des OÖ. Landesjagdverbandes www.ooeljv.at

Wir Jäger bemühen uns um ein gutes und offenes Verhältnis zur nichtjagenden Bevölkerung. Auch dieser Artikel soll ein kleiner Beitrag dazu sein. Schließlich sind wir alle aufeinander angewiesen und sollten gemeinsam ein Ziel verfolgen: Unser Lebensraum soll lebenswert bleiben!

 

Tradition in Grün

Brauchtum und Jagd gehören untrennbar zusammen

Per Definition ist ein Brauch eine innerhalb einer Gemeinschaft entstandene, regelmäßig wiederkehrende, soziale Handlung von Menschen in festen, stark ritualisierten Formen. Bräuche sind Ausdruck der Tradition. Sie dienen ihrer Erhaltung und Weitergabe sowie dem inneren Zusammenhalt der Gruppe.

Über Sinn oder Unsinn von Tradition und Brauchtum lässt ich bekanntlich trefflich streiten. Die Geschichte zeigt jedoch: Überliefert und weitergegeben hat der Mensch stets, was für das gemeinsame Überleben wichtig war. Brauchtum und Tradition sind somit vor allem der notwendige Kitt einer funktionierenden Gesellschaft.

Untrennbar miteinander verbunden sind daher auch Jagd und Brauchtum. Seit jeher ist die Jagd mit Etikette und Traditionen verbunden. Unsere oberösterreichischen Jägerinnen und Jäger pflegen dieses Brauchtum und geben Hintergrundwissen sowie die Geschichte der Jagd an die nicht jagende Bevölkerung weiter.

Das jagdliche Brauchtum ist die Gesamtheit der ungeschriebenen Gesetze im Jagdwesen, sowohl praktisch, als auch ethischer Art, die sich die Jäger selbst gaben und die so alt sind wie die Jagd selbst. „Dieses Brauchtum unterliegt genauen Regeln und zum Teil einem genauen Zeremoniell, an dem mit mehr oder weniger großen Abweichungen noch heute festgehalten wird. In diesen Sitten und Gebräuchen spiegelt sich die Auffassung vom Weidwerk und Wild, vom Jagen und Hegen sowie der Ehrdarbietung wider“, erläutert Christopher Böck, Geschäftsführer des Oberösterreichischen Landesjagdverbandes.

Gelebte Jagd-Tradition lässt sich etwa an den Brüchen fest machen. Gemeint ist nicht der Jäger, der nach einem unachtsamen Schritt im Unterholz unfreiwillig die Flinte mit Krücke und Gips tauschen muss. Vielmehr bezeichnet man als „Bruch“ einen abgebrochenen, grünen Zweig, der z.B. nach dem Jagderfolg auf den Hut gesteckt oder etwa die Fluchtrichtung eines Tieres gekennzeichnet wird. Als Bruchzeichen verwendet man bestimmte Baumarten wie z. B. Fichte, Tanne, Eiche oder Erle.

Bruchzeichen haben ihren Sinn sowohl im jagdlichen Brauchtum als auch im praktischen Jagdbetrieb. Ursprünglich waren Brüche die Zeichensprache der Jäger. Sie sind so alt wie die Geschichte der Jagd. So verständigen sich die Jäger durch Bruchzeichen und schmücken sich, ihre Hunde und das erbeutete Wild mit Brüchen.

Auch der „Letzte Bissen“ ist ein Bruch, den die Jägerin oder der Jäger aus Ehrerweisung und Dank dem erlegten Wild in den Äser, also das Maul, gibt. Foto: OÖ Landesjagdverband

Streckenlegung als Ehrfurcht vor dem Wild

Jagdliches Brauchtum: Das Legen der Strecke

Seit jeher ist die Jagd mit Etikette und Traditionen verbunden. Unsere oberösterreichischen Jägerinnen und Jäger pflegen dieses Brauchtum und geben Hintergrundwissen sowie die Geschichte der Jagd an die nicht jagende Bevölkerung weiter. Einer dieser Bräuche ist das Legen der Strecke. Das bedeutet, dass nach einem Jagdtag das erlegte Wild in Reihen aufgelegt wird. Es bezeichnet ebenso das Auflegen der gesamten Jagdbeute eines Jägers oder eines Jagdbezirks innerhalb eines Jagdjahres für die Statistik. Dieser Brauch wird traditionell als Ehrerbietung der Weidmänner vor dem erlegten Tier ausgeführt. Zudem verhilft die Streckenlegung in der Praxis dazu, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Abschüsse der verschiedenen Wildtiere eingehalten werden.

Der Brauch der Streckenlegung wirft in der nicht jagenden Bevölkerung jedoch auch Fragen auf und wir in der Jägerschaft informieren gerne darüber. Warum tut man dies nach einer erfolgreichen Ansitz- oder Treibjagd? Ist es wirklich Brauchtum, eine Totenwache, oder doch eine Präsentation der Beute?

 

Die Strecke legen

Der Brauch der Streckenlegung hat eine lange Tradition unter den Jägern und bekundet damals wie heute den Respekt vor dem erlegten Wild. Bereits bei den groß angelegten Jagden der Adeligen in Frankreich gab es die Streckenlegung am Ende des Jagdtages. Damals war die Jagd stark von Ritualen und sehr strengen Regeln begleitet. Es war genau definiert, welcher Jagdteilnehmer welches Tier schießen durfte und wie die Streckenlegung zu erfolgen hatte.

 

Strenge Regeln für die Strecke

Heute kann die Streckenlegung auf viele verschiedene Arten erfolgen, aber die Jägerinnen und Jäger üben diesen Brauch immer aus Ehrfurcht und Respekt vor dem Tier aus. Das erlegte Wild wird nach Art, Geschlecht und Alter aufgereiht. Die Wildtiere werden auf der rechten Körperseite positioniert. Früher wurde angenommen, dass die rechte Seite die „gute“ Seite ist und aufgrund dieser Position keine Erddämonen in das Wild eindringen können. Diesem Ritual ist man bis heute treu geblieben. Die Tiere werden zudem vom größten bis zum kleinsten in 10er Blöcken aufgereiht. Der Bruch, Zweige, welche mit Blut des erlegten Wildes benetzt sind, werden ihnen als Ehrerbietung ins Maul gegeben. Um die Jagdstrecke, dem aufgelegten Wild, herum versammeln sich der Jagdleiter, die Schützen, die Treiber und die Jagdhornbläser. Für jede Wildart, die ein eigenes Totsignal hat, stimmen die Jagdhornbläser ihre Melodien an. Der Jagdleiter und die Schützen stehen „häupterwärts“, also vor den Tieren, die Hornbläser, Hundeführer und Treiber hinter diesen. Es ist verpönt über die Strecke oder ein erlegtes Tier zu steigen.

 

Bewusstseinsbildung in der nichtjagenden Bevölkerung

Mit einer würdigen Streckenlegung kommunizieren die rund 19.000 Jägerinnen und Jäger in Oberösterreich auch ihre ethische Einstellung zur Jagd und zum Wild nach außen. Mittels einer verstärkten Kommunikation und Erklärungen zur Jagd bemüht sich der OÖ Landesjagdverband Brauchtum auch in der nicht jagenden Bevölkerung verständlich zu machen.

 

Mehr Informationen und Wissenswertes über die Jagd und die vielfältigen Aufgaben sowie Brauchtum und Etikette finden Sie auf der Internetseite des OÖ Landesjagdverbandes unter http://www.ooeljv.at/jagd-in-ooe/jagdliches-brauchtum/