Beiträge

Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner – Jagdblogger

Mein Name ist Herbert Sieghartsleitner. Seit 36 Jahren übe ich die Jagd in meiner Heimatgemeinde Molln aus und habe es von der Pike auf gelernt. Ich lebe mit meiner Frau und drei Kindern im Bezirk Kirchdorf und bin von Beruf Land- und Forstwirt. Seit 12 Jahren bin ich nun Bezirksjägermeister von Kirchdorf und die letzten sechs Jahre war ich Vertreter unseres Ehrenlandesjägermeisters Sepp Brandmayr. Ich freue mich, dass ich seit April 2019 die Funktion des oberösterreichischen Landesjägermeisters übernommen habe. Nicht nur das Amt des Landesjägermeisters, sondern auch meine Funktion als Jagdblogger ist neu für mich. In meinen Blogbeiträgen ist es mir ein besonderes Anliegen Ihnen die Jagd, wie ich sie erlebe, näherzubringen, denn die Jagd hat dann ihre Legitimation, wenn das Tun nachvollziehbar ist und sinnstiftend erklärt werden kann.

 

Mit der Natur bin ich seit jeher eng verbunden. Ich legte meine Jagdprüfung bereits mit 18 Jahren ab. Für mich ist die Jagd viel mehr, als Beute zu machen. Es geht um die Freude und die Achtung gegenüber der Natur, aber auch Hege und Schutz des Wildes und die Förderung des natürlichen Gleichgewichts in einer Kulturlandschaft. Für mich ist die Jagd eine Lebenseinstellung und bedeutet Verantwortung für den Wald und das Wild als auch Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Auch wenn es verschiedenste Zugänge  zur Jagd gibt, sollte es in unserem Tun immer um die Verantwortung für unsere heimischen Wildtiere und deren Lebensräume gehen.

Jagdmuseum Schloss Hohenbrunn – ab Karsamstag, 20. April wieder geöffnet!

Für Jagdbegeisterte, aber auch Nichtjagdbegeisterte, gibt es im Schloss Hohenbrunn in St. Florian die Möglichkeit, im Jagdmuseum in die Welt der Jagd einzutauchen. Dort werden dem Besucher auf 450 m² Ausstellungsfläche Natur, Wildtiere, Jagd und Jagdkultur aus mehreren Jahrhunderten nähergebracht.

Tradition trifft Moderne

Das Jagdmuseum dient der Pflege der  jagdlichen Tradition, der Verbreitung des Verständnisses und der Bewusstseinsschaffung für das Weidwerk. Es wird ausführlich über das Handwerk der über 19.300 oberösterreichischen Jägerinnen und Jägern informiert. Anhand von historischen und kunsthistorischen Objekten aus vier Jahrhunderten wie Waffen, deren Zubehör, Bildern und vielem  mehr, wird die Entwicklung der Jagd dargestellt und Interessierte werden auf eine Zeitreise mitgenommen. Vor wenigen Jahren wurde der Westtrakt renoviert. Im neuen Bereich erleben die Besucher Kurzfilme über unser heimisches Wild und verschiedenste Tierpräparate.

Schwerpunkte der Sammlung sind:

  • eine Sammlung von Jagdporzellan und die jagdkynologische Sammlung des Freiherr von Bistram. Letztere zeigt Hundehalsbänder (Halsungen) in vielen Variationen aus der Zeit von 1580 bis 1804
  • das wohl edelste der im Schloss ausgestellten Barockbilder ist “Die Bärenhatz” des Spezialisten für Tiermalerei Franz Snyders aus Antwerpen (1579-1657)
  • Trophäen von Kaiser Franz-Josef
  • seltene Waffen

Das Jagdmuseum und seine Geschichte

Im Auftrag des Propstes Johann Baptist Födermayr wurde das Schloss Hohenbrunn nach den Plänen von Jakob Prandtauer von 1722 bis 1732 errichtet. Propst Födermayr verstarb leider kurz nach Fertigstellung des Schlosses, weswegen es niemals eine zweckmäßige Verwendung  fand. Es wurde auch nie wirklich „in Betrieb genommen“, wodurch es langsam verfiel. Durch die beiden Weltkriege scheiterten auch die Bemühungen,  das Gebäude zu erhalten. Glücklicherweise wurde von 1949 bis 1957 vom Stift St. Florian mit Hilfe des Bundesdenkmalamtes das Dach des Schlosses neu eingedeckt und somit vorm Verfall bewahrt. Nach weiteren 5 Jahren wurde das Schloss endlich vom Verein zur Rettung und Erhaltung des Schlosses Hohenbrunn gekauft und von 1962 bis 1967 saniert. Das barocke Schloss Hohenbrunn, das östlich des Stift St. Florians gelegen ist, gilt als die barocke Idealisierung der oberösterreichischen Vierkanthöfe.

Feiern im Schloss

Wer schon immer eine besondere Eventlocation gesucht hat, ist im Schloss Hohenbrunn ebenfalls gut aufgehoben: Die einzigartigen Räume des Museumstraktes mit ihren prachtvollen Stuckdecken und Wandmalereien sowie den wertvollen Exponaten in den Vitrinen und an den Wänden bieten ein unvergleichliches Ambiente für persönliche Feste oder Exklusiv-Veranstaltungen.

Größere Gruppen dürfen jederzeit gegen Voranmeldung das Jagdmuseum besichtigen.

Eckdaten zum Besuch im Jagdmuseum Schloss Hohenbrunn:

Öffnungszeiten

Karsamstag bis 31. Oktober
täglich 10:00 – 12:00 und 13:00 – 17:00 Uhr
Freitagnachmittag geschlossen

Eintritt

Erwachsene: € 3,00
Kinder 6 – 15 Jahren: € 1,00
Kinder unter 6 Jahren: Eintritt frei
Gruppenermäßigung (ab 10 Personen): € 2,00
Pflichtschulen: € 1,00 (pro Schüler)
Jäger mit gültiger Jagdkarte: Eintritt frei

Auskunft

Harald Moosbauer: 07224/20084 DW 12 oder 0699/1273 5735

Adresse

OÖ. Jagdmuseum
Schloss Hohenbrunn
4490 St. Florian
Tel.: 07224/20084

 

 

Frühlingsbeginn: Helfen Sie uns, die Jungtiere zu schützen

Die ersten warmen Tage haben ihn bereits angekündigt und am 21. März war es dann soweit: Der Frühling hat begonnen. Die Tage werden nun wieder länger, das Wetter wärmer und die Wiesen und Felder erwachen zu neuem Leben. Zeit für Naturliebhaber, die Wälder und Wiesen, also die Lebensräume unserer Wildtiere, wieder aktiver zu nutzen. Dass es bereits jetzt Jungtiere, Jungwild und auch kleine Feldhäschen – sogenannte „Fäustlinge“ – gibt, ist den Naturnutzern oft nicht bewusst. Für den Nachwuchs zählt vor allem Ruhe – ein gut gemeintes Streicheln oder gar ein Wegnehmen vom Nistplatz ist im Sinne des Tierschutzes zu unterlassen.

 

Feldhäschen und Eier: Auch unbeaufsichtigt noch lang nicht verlassen

AuerhuhnkückenSind die Mütter – egal ob bei Feldhasen, Rehen oder Enten – abwesend, heißt dies noch lange nicht, dass die Jungtiere oder Eier endgültig verlassen wurden. Die meisten Jungen sind es gewöhnt, dass die Muttertiere sie mehrere Stunden alleine lassen, um selbst auf Nahrungssuche zu gehen oder Fressfeinde von den Kleinen fernzuhalten. Junge Feldhasen werden beispielsweise nur ein- bis zweimal in 24 Stunden vom Muttertier aufgesucht.

Auch das Nest von Wildenten oder anderem Federwild sollte nicht berührt oder gar von nächster Nähe beobachtet werden. Der Grund: Die Mutter beobachtet die Eindringlinge und traut sich nicht mehr zum Nest. Dadurch kühlen die Eier aus und die Küken sterben unter Umständen.

 

Falsch verstandener Tierschutz – nämlich das Berühren, Wegtragen oder auch nur das Anfüttern – kann dazu führen, dass die Mutter die Jungtiere, wenn menschlicher Geruch anhaftet, verstößt. Gerade menschliches Eingreifen oder sogar Rettungsversuche enden für die Tiere oft nur in unnötigem Stress oder sogar im Tod. Sollten Sie oder Ihre Kinder Jungtiere unabsichtlich berührt oder gar mit nach Hause genommen haben, kann man versuchen, das Tier wieder dorthin zu bringen, wo es gefunden wurde. In diesem Fall sollten Sie es mit frischem Gras vorsichtig abreiben. Im Zweifelsfall bietet sich stets die Möglichkeit, einen lokalen Jäger oder eine Jägerin zu kontaktieren.

 

Zwischenfälle vermeiden: Hunde an die Leine

Der OÖ Landesjagdverband und dessen Jägerinnen und Jäger richten sich hiermit an die Hundehalter, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Selbst wohlerzogene Hunde vergessen die guten Manieren, wenn ihr Jagdinstinkt geweckt wird. Aufgeschreckte und gehetzte Wildtiere laufen auf Straßen und können Unfälle verursachen. Ein trächtiges Reh kann sogar im Schockzustand das Kitz verlieren.

 

Checkliste für Naturliebhaber, die im Frühling in den Wald gehen wollen:

  • Abstand von Wildtieren halten
  • Leise verhalten
  • Auf den Wegen bleiben
  • Hunde an die Leine

Finden Sie tatsächlich ein verletztes Jung- oder gar Muttertier, so bitten wir Sie, sich an den lokalen Jäger oder den OÖ Landesjagdverband zu wenden. Berühren Sie das Tier nicht und gönnen Sie ihnen Ruhe – auch während des Tages. Der OÖ LJV und die oberösterreichischen Jägerinnen und Jäger bedanken sich für Ihre Vor- und Rücksicht!

Junghase

Berufsjäger: “Kein Beruf, sondern Berufung!”

Interview mit Wildmeister Helmut Neubacher

WM Helmut Neubacher

 

 

Helmut Neubacher, Wildmeister und Obmann des oberösterreichischen Berufsjägerverbandes, arbeitet bei einer Forstverwaltung im Almtal und freut sich seit 37 Jahren täglich, in die Arbeit gehen zu können. In einem Interview gibt er Einblicke in den Alltag eines Berufsjägers.

 

 

  • Herr Neubacher, wie läuft ein Tag für Sie als Berufsjäger ab?

Als Berufsjäger richtet man sich nicht nach fixen Zeiten. Viel eher wird meine Arbeitswoche durch das Treiben der Natur bestimmt. Es geht beispielsweise um den Sonnenaufgang. Im Sommer starte ich demnach mit der Pirsch – also der eigentlichen Jagd – ganz früh, circa um vier Uhr morgens. Im Winter ist das anders, da jage ich eher am späteren Morgen und tagsüber. Wobei die Jagd selbst vielmehr durch die ständige Beobachtung des Wildes geprägt ist, als vom eigentlichen Akt des Erlegens. Danach erledige ich andere Tätigkeiten, wie zum Beispiel die Kontrolle und Instandhaltung von Steigen, Salzlecken, Hochständen, eigentlich aller jagdlichen Einrichtungen.

 

  • Was zeichnet dieses Berufsbild besonders aus?

Da man als Berufsjäger weder fixe Arbeitszeiten noch fixe Arbeitstage kennt, lebt man quasi im Rhythmus der Natur und verbringt den Großteil seiner Zeit im Wald. Dies setzt eine gewisse Flexibilität voraus, aber auch eine hohe Identifikation mit dem eigenen Tun. Dieses Berufsbild ist in meinen Augen daher weniger ein klassischer Beruf, als vielmehr eine Berufung, der man nur mit Leidenschaft und großem persönlichen Engagement entsprechen kann.

 

  • Was sind die Aufgaben eines Berufsjägers?

Die Tätigkeiten eines Berufsjägers werden grundsätzlich von den Zielvorgaben seines Arbeitgebers bestimmt. Im Grunde genommen geht es immer um die Regulierung von Wildbeständen. Um hierbei erfolgreich zu sein, erfordert dies eine Menge an „Zuarbeiten“. Also die ständige Kontrolle des Vegetationszustandes im Wildlebensraum, die Instandhaltung der jagdlichen Infrastruktur, die Wildtierfütterung im Winter als auch das Besorgen oder Herstellen der Futtermittel. Genau diese Tätigkeiten sind sehr wichtig, um der Verantwortung gegenüber dem Wald und dem Wild gerecht zu werden. Die eigentliche Jagd, hierin auch die Jagdgästeführung, ist dabei eine Aufgabe von vielen, wenn auch eine Wesentliche.

 

  • Welche Ausbildung benötigt man, dass man die Jagd als Beruf ausüben darf?

In Österreich wird aktuell an einem einheitlichen Ausbildungsmodell für diesen Berufsstand gearbeitet. Derzeit ist es noch so, dass in Oberösterreich vor Beginn der zweijährigen Lehre zum Berufsjäger einen Besuch der ebenfalls zweijährigen Forstschule empfohlen wird. Nach der anschließenden, eigentlichen Berufsjägerlehre wird vor der Landesregierung die Prüfung zum Berufsjäger abgelegt. Für die Berufsjäger gibt es nach erfolgreicher Absolvierung der Ausbildung die Möglichkeit, bei zwei verschiedenen Arbeitgebertypen zu arbeiten: Einerseits in Eigenjagdgebieten, wo der Grundeigentümer selbst das Jagdausübungsrecht inne hat oder andererseits bei einem Jagdpächter.

 

  • Wie groß ist ein zu betreuendes Revier?

Diese liegen deutlich über 1.000 Hektar – ein typisches Berufsjägerrevier hat ungefähr 1.500-2.500 Hektar. Das entspricht circa einer Fläche von 2.500 Fußballfeldern. Hierbei sollte nicht übersehen werden, dass die meisten Berufsjäger im Gebirge beheimatet sind. Was wiederum bedeutet, dass sie bei der Ausübung ihrer Tätigkeit in den überwiegenden Fällen zu Fuß unterwegs sind.

 

  • Wie viele Berufsjäger gibt es derzeit in Österreich?

Derzeit gibt es circa 500 im Dienst stehende Berufsjäger österreichweit. Auf Oberösterreich kommen 40 Berufsjägerinnen und Berufsjäger.

 

  • Was sind die Beweggründe, Berufsjäger werden zu wollen?

Viele Berufsjägerinnen und Berufsjäger kommen über Umwege zu ihrem Beruf: Die meisten haben in jungen Jahren oft einen Ausbildungsweg gewählt, der im Grunde wenig mit der Jagd zu tun hat. Dennoch besteht das Interesse bei vielen schon von klein auf oder ist mitunter bereits durch das familiäre Umfeld geprägt. Einige der zukünftigen Berufsjägerinnen und Berufsjäger haben auch bereits in der Jugend die Jagdprüfung abgelegt und sind in ihrer Freizeit bereits zur Jagd gegangen. Ausschlaggebend für die Entscheidung, beruflich auf die Pirsch gehen zu wollen, ist oftmals die Nähe zum Wildtier und seinem Lebensraum. Daraus resultiert oft der Wunsch genau diesem Umfeld sein Berufsleben zu widmen, um sich praxisnahe für Wild und Wald einsetzen zu können.

 

  • Wieso haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Ich habe meine Kindheit und Jugend ausschließlich im Wald verbracht. Mit 14 habe ich dann eine Ausbildung zum Maschinenbauer begonnen und auch abgeschlossen. Allerdings ist einem mit 14 nicht immer klar, was man im Leben überhaupt machen möchte. Mir wurde erst durch die eingeschlagene technische Ausbildung bewusst, dass es ohne den Wald nicht geht. Den Beruf „Berufsjäger“ vor Augen, habe ich dann zuerst die Forstwartschule besucht und mit 22 an der Oö. Landesregierung die Prüfung zum Berufsjäger abgelegt. Mittlerweile habe ich 37 Jahre ausschließlich der Berufsjagd gewidmet. Die Richtigkeit meiner Entscheidung drückt sich in nichts besser aus, als dass es für mich, auch nach so langer Zeit, eine besondere Freude ist, meine Arbeitsstätte, den Wald, täglich aufsuchen zu können.

 

„Fragen zur Jagd“ dankt WM Helmut Neubacher für das Interview.

Einblicke in einen Bezirksjägertag

Alljährlich versammeln sich zahlreiche Jägerinnen und Jäger eines Bezirkes bei ihrem Bezirksjägertag, um gemeinsam das letzte Jahr Revue passieren zu lassen und in die jagdliche Zukunft zu schauen. Im Zentrum der Ansprachen, Vorträge und Podiumsdiskussionen stehen dabei oft die gut gelungenen Maßnahmen, als auch die aktuellen Probleme der Jagd im jeweiligen Bezirk.

Alle sechs Jahre findet zudem im Rahmen der Bezirksjägertage die Bezirksjagdausschusswahl inkl. der Bezirksjägermeister statt – es wird also eine Mannschaft sowie eine Jägerin oder ein Jäger als Bezirksjägermeister gewählt, der bzw. die den jeweiligen Bezirk die nächsten sechs Jahre repräsentiert und die Arbeit kanalisiert. Heuer – 2019 – werden wieder die Ämter der Bezirksjagdausschüsse, als auch das des Landesjägermeisters vergeben.

Aufbau des Bezirksjägertages
Die Bezirksjägertage sind je nach Bezirk ein wenig verändert aufgebaut, jedoch ergibt sich meist eine ähnliche Reihenfolge während der Veranstaltung.

 

Zu Beginn werden Grußworte des Bürgermeisters jener Gemeinde, in dem der jagdliche Feiertag stattfindet, sowie vom Bezirksbauernvertreter verkündet. Bevor es mit den Reden des Vertreters des Forstdienstes und des Bezirkshauptmannes weitergeht, wird zwischendurch die Stimmung mit einem Jagdhornhornbläserstück der lokalen Jagdhornbläsergruppe aufgelockert. Optional gibt es einen Bericht des Jagdhundereferenten. Der Bezirksjägermeister spricht über die jagdlichen Ereignisse im Vorjahr. Dabei werden die positiven Dinge, als auch die Probleme innerhalb des Bezirks besprochen, aber auch in die Zukunft geschaut. Es folgen jeweils ein Referat des politischen Jagdreferenten sowie des Landesjägermeisters.

Im Anschluss werden Ehrenurkunden und Verdienstabzeichen überreicht – diese gibt es beispielsweise für die langjährige Jagdausübung oder den Einsatz für die Artenvielfalt.

Die Dauer des Bezirksjägertages ist natürlich abhängig von dem Programm; meistens dauert ein Bezirksjägertag zwei bis drei Stunden.

LJM Brandmayr am Bezirksjägertag

Schneemassen in OÖ: Wie Sie Wildtiere sowie Jägerinnen und Jäger unterstützen können

Unsere heimischen Wildtiere sind grundsätzlich gut an den Winter angepasst und können auch mit extremen Wettersituationen umgehen. Die extremen Schneemassen der letzten Wochen verlangen derzeit in Oberösterreich nicht nur den menschlichen Bewohnern alles ab, sondern auch unseren heimischen Wildtieren und der Jägerschaft. Das Schneechaos sorgt bei Gams-, Rot- und Rehwild nicht nur für Nahrungsknappheit, sondern bringt auch eine erhöhte Lawinengefahr mit sich.

Die oberösterreichische Jägerschaft ersucht Naturnutzer daher jetzt, Wildtiere nicht zu stören: Denn um gut durch den Winter zu kommen, bedarf es der Rücksicht durch den Menschen. Um den Wildtieren die erforderliche Ruhe zu ermöglichen, herrscht bei Oberösterreichs Jägerinnen und Jägern seit 1. Jänner 2019 Jagdruhe – das heißt, dass Gams-, Rot- und Rehwild nicht bejagt werden. Eine artgerechte Zufütterung durch die Jäger erleichtert den Wildtieren zudem das Überleben.

 

Tiere brauchen Ruhe

Feldhase im WinterversteckSind Wildtiere ungestört, senken sie die Herz- und Atemfrequenz ab, um Energie zu sparen. Besonders gefährlich wird es daher für die Tiere dann, wenn sie aufschrecken. Denn jede Flucht oder jedes aktive Verstecken greift die Energiereserven der Tiere zusätzlich an und steigert den Nahrungsbedarf. Plötzliche und unberechenbare Störungen (abseits von Wegen und Pisten) wirken sich besonders negativ aus. Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung, also zur Hauptzeit der Nahrungsaufnahme, gilt es, Ruhe walten zu lassen. Rehe, Hirsche, Gämsen und andere versuchen sich den Störungsquellen großräumig zu entziehen und verbrauchen vor allem bei hoher Schneelage viel Energie bei ihren Fluchten.

Durch die Flucht verbrauchte Energie muss durch Nahrungsaufnahme wieder zugeführt werden. Kommt es hingegen zu wiederholten Störungen, kann dies – trotz vermehrter Fressaktivität – zum Hungertod führen. Sportbegeisterte und Naturliebhaber sollten daher besonders auf die Ruhe- und Rückzugsbereiche der Wildtiere achten. Der stille Dank der Tiere ist ihnen gewiss!

 

Artgerechte Fütterung in Notzeit

Um das Überleben der Tiere trotz der teilweise ungewöhnlich hohen Schneemengen zu sichern, sind viele Jäger zurzeit unter schwierigsten Bedingungen in den Revieren unterwegs. Die dicke Schneedecke erschwert es den Wildtieren Nahrung zu finden. Die artgerechte Fütterung durch die Jägerschaft ist daher umso wichtiger. Die Herausforderung dabei: Kaum zugängliche Reviergebiete und erschwerte Lagerung als auch Transport des Futters. Bedenkt man, dass ein Hirsch mehrere Kilo Trockensubstanz am Tag benötigt, so stellt die artgerechte Zufütterung eine echte Herausforderung für Oberösterreichs Jägerinnen und Jäger dar. Die artgerechte Fütterung ist vor allem ein Ersatz für die verloren gegangenen Rückzugsorte des Wildes und dienen der Schadensvermeidung in den forstwirtschaftlich genutzten Wäldern.

 

Doch damit nicht genug: Durch die immer mehr vordringende Kulturlandschaft mit ihrer Zerschneidung, Zersiedelung etc. sind Orte, an die die Tiere ausweichen und auch im tiefsten Winter Nahrung finden könnten, rar geworden. Oberösterreichs Jägerinnen und Jäger schaffen durch ihre Einsätze großen ökologischen Mehrwert. Ohne den großen Einsatz der Jägerschaft in Oberösterreichs Revieren würden viele Tiere sicherlich die Schneemassen nicht überleben.

 

Lawinengefahr – auch für Wildtiere

Nicht nur die fehlende Nahrung ist für die Wildtiere eine echte Herausforderung, sondern auch die Schneedecken, die regelmäßig abgehen. Vor allem für das Gamswild, das oben in den Bergen lebt, sind Lawinen eine Gefahr. Werden diese von einer abgehenden Schneemasse mitgerissen, haben sie keine Chance mehr zu entkommen. Genaue Zahlen zum Fallwild, also Wildtiere, die durch Naturereignisse, wie die aktuellen Schneemengen umkommen, können jedoch nicht ermittelt werden. Viele der verschütteten Wildtiere werden gar nicht gefunden. Doch auch das gehört zur Natur…

Rehsprung im Winter

Verbissschäden genauer erklärt: Wer sie verursacht und wie Jäger sie vermeiden

Heimische Wildtiere fressen nicht nur Gräser und Kräuter, auch Knospen und Triebe zählen zu den Hauptnahrungsquellen der Wildbewohner. Dass aber genau der Verzehr von jungen Knospen und Trieben durch jagdbares Wild zum Problem werden kann, zeigt das Auftreten von „Verbissschäden“. Nicht jeder Verbiss muss aber zum Schaden führen; zunächst ist es Wildeinfluss. Ist dieser zu viel bei forstwirtschaftlich wichtigen Pflanzen, die der Mensch auch nutzen möchte, entsteht Schaden.

 

Die Verbissschäden zählen zu den Wildschäden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen vier Arten von Wildschäden: Klassische Verbissschäden, Schälung, Schlagen und Fegen. Im Blogbeitrag „Verbiss im Wald und Garten“ finden Sie nähere Informationen zu den verschiedenen Schäden, die unsere heimischen Waldbewohner anrichten können.

 

Wer verbeißt denn nun?

 

Oft wird das Rehwild als Hauptverursacher der Verbissschäden verantwortlich gemacht, da es ein klassischer Knospenfresser ist. Aber auch das Rotwild (=Hirschkühe und Hirsche), das Gamswild (=Gämsen), manchmal das Schwarzwild (=Wildschweine) als auch Hasen können für Schäden an forstwirtschaftlich interessanten Bäumen sorgen.

 

 

In der Tabelle wird deutlich sichtbar, welche Tiere welche Schäden anrichten können.

 

Zusammenfassung typischer Schäden durch Wildtiere

RehwildRotwildGamswildMuffelwildHasenSchwarzwild
Fegen

x

x

Schälen

x

x

Verbeißen

x

x

x

x

x

x

Schlagen

x

Gründe für den Verbiss

Blätter, Triebe und Knospen stehen prinzipiell am Speiseplan des pflanzenfressenden Wildes. Es gibt allerdings einige Faktoren, die den Verbiss zusätzlich fördern:

 

  1. Oberösterreichs Kulturlandschaft wird von vielen heimischen Wildtieren bewohnt. Rehen, Hirschen, Feldhasen und Co stehen aber in unseren kultivierten Forstwirtschaften relativ wenig natürlichen Feinden und gleichzeitig schlechteren Lebensräumen gegenüber; der Bestand an Wildtieren und die Wildschadensanfälligkeit steigen und es kann somit auch zu den sogenannten „Wildschäden“ kommen. Diese führen zu beschädigten Forstkulturen, Wiesen oder Feldfrüchten.Oberösterreichs 19.300 Jäger sind gesetzlich verpflichtet, für einen lebensraumverträglichen Wildstand zu sorgen. Dafür gibt es für das wiederkauende Schalenwild, also Rehe, Hirsche und Gämsen, die Abschusspläne (https://www.fragen-zur-jagd.at/aus-dem-jagdleben/fragen-zur-jagd/entscheidet-der-jaeger-selbst-was-er-alles-schiessen-darf/ ), die gesetzlich geregelt sind und auch eingehalten werden müssen.

 

  1. Einen weiteren Grund stellt das Äsungsangebot (=Nahrungsangebot) dar. Finden die Tiere zu wenig Nahrung, weichen diese gerne auf Jungpflanzen aus.
    Der Jäger ist verantwortlich, den Tieren ein ausreichendes Nahrungsangebot zu bieten. Es sollte gleichzeitig eine ausreichende „Verjüngung“, also Neubepflanzung des Waldes stattfinden können. Der Bauer muss gleichzeitig waldbauliche Maßnahmen setzen, damit dies auch mit Wildtieren, die eben dort vorkommen, funktioniert.

 

  1. Freizeitaktivitäten der aktiven Waldnutzer – wie zum Beispiel Spazierengehen, Laufen, Schneeschuhwandern oder Mountainbiken – beeinflussen die Nutzbarkeit des Nahrungsangebotes. Oft führen diese Aktivitäten der Menschen zu vermehrtem Verbiss, da den Tieren nicht die entsprechende Ruhe gegönnt und es den Tieren unmöglich gemacht wird, ihre Äsungsflächen in Ruhe aufzusuchen.Der OÖ Landesjagdverband ersucht deshalb ganzjährig alle Sportler und Naturliebhaber um ein achtsames Miteinander im Wald. Insbesondere die Einstände, also die Wohnzimmer des Wildes, aber auch Fütterungsplätze, sollen weitläufig umgangen werden. Nur so können Wildtiere mit ihren Energiereserven haushalten und ihr Überleben trotz kargem Nahrungsangebot im Winter sichern. Stress und Flüchten verbrennt nämlich Energie und macht die Tiere hungrig, wodurch Wildschäden entstehen können.

 

Wie Jäger und Waldbesitzer die heimische Flora und Fauna vor Verbiss schützen:

Zusätzlich der Wildregulation durch Bejagung werden Forstpflanzen aber auch aktiv geschützt, um eventuelle Verbissschäden zu verhindern. Dabei wird gibt es unterschiedliche Produkte und Möglichkeiten.

 

  • Wildzaun: Um einen gewissen Umkreis, zum Beispiel ein Gebiet, wo nur Jungpflanzen sind, zu schützen, stellt der Jäger bzw. der Grundbesitzer einen Zaun auf.
  • Verbiss- und Fegeschutz: Dies sind z.B. Hüllen, die um Jungbäume gegeben werden, um einerseits Verbiss-, und andererseits Fegeschäden zu vermeiden.
  • Schälschutznetze: Diese werden um den Baum gewickelt und bewahren so vor dem Schälen.
  • Verbissschutz durch aufspritzen oder einstreichen: Dieser hat meistens eine für Wildtiere geruchlich unangenehme Komponente oder/und eine sandige Konsistenz, damit das Wild nicht verbeißt.
  • Jungpflanzen werden mit speziellen Mitteln, manchmal auch Hausmitteln wie Schaffett oder behängen mit ungewaschener Schafwolle, behandelt.

Verbiss

 

Wenn Ihre heimischen Nachbarn den hauseigenen Garten verbeißen, finden Sie unter https://www.fragen-zur-jagd.at/aus-dem-jagdleben/2017/verbiss-im-wald-und-im-garten/ zahlreiche Tipps, wie man dem Verbiss daheim vorbeugen kann.

Rauschzeit: Urige Wildschweine

Wussten Sie schon, dass Wildschweine prinzipiell nicht gefährlich, dennoch mit einer gewissen Vorsicht zu genießen sind? Und wussten Sie auch, dass rauschige Wildschweine keineswegs betrunken sind? Zurzeit findet nämlich die sogenannte „Rauschzeit“, also die Paarungszeit des Schwarzwildes statt. Was es zu dieser Zeit nicht nur als Jägerin oder Jäger, sondern auch als Naturnutzer zu beachten gibt, erfahren Sie in diesem Blog.

 

Wildschweinrotte_F. Fritsch

Die Rauschzeit findet zwischen Oktober und März statt, wobei die Hauptzeit auf November bis Jänner fällt. Besonders in dieser Zeit sollten Wald- und Naturliebhaber auf ihr Verhalten achten. Grundsätzlich sind Wildschweine per se nicht gefährlich, da diese den Menschen meiden. Dennoch sind sie gerade in der Paarungszeit etwas aggressiver als sonst.

 

Um ungewollte Zwischenfälle zu vermeiden, rät der OÖ Landesjagdverband (LJV) Hunde unbedingt anzuleinen.

Von Natur aus sind die Tiere eigentlich tagaktiv, aufgrund der starken Einflüsse der Menschen sind die Tiere mehrheitlich in der Nacht unterwegs. Da die Wildschweine trotzdem auch untertags anzutreffen sind oder auch im Unterholz den Tag verbringen, ist es ratsam, auf den gekennzeichneten Wegen zu bleiben. Für Autofahrer ist es wichtig, in dieser Zeit in Gebieten, wo Wildwechsel stattfindet, auf die Geschwindigkeit und die Verkehrszeichen „Achtung Wildwechsel“ zu achten.

 

Bei einer unerwünschten Begegnung sind folgende Dinge zu beachten:

 

  • Schreien und hektisches Verhalten ist zu unterlassen
  • Tiere niemals in die Enge treiben – langsam von den Tieren wegbewegen
  • Wildschweine nicht verfolgen oder berühren

 

Wenn sich Wildschweine bedroht fühlen, gehen diese auf den Menschen los und erreichen dabei eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 50 km/h.

 

Verhalten in der Rauschzeit

Die Bachen leben mit ihren Jungen, den „Frischlingen“, in sogenannten „Rotten“. Die „Rotten“ sind ein Zusammenschluss von mehreren Bachen und ihren Frischlingen, inklusive der „Überläufer“, das sind junge männliche und weibliche Wildschweine bis zum zweiten Lebensjahr. Geführt wird die Rotte von der „Leitbache“, die im Wesentlichen alles bestimmt: Von den Grundaktivitäten wie zum Beispiel der Nahrungssuche, bis hin zum Beginn der Rauschzeit. Leitbachen werden nämlich zuerst „rauschig“, gefolgt von den älteren Bachen, den Überläufer- und manchmal sogar schon den Frischlingsbachen. In der Fachsprache nennt man dies „Paarungssynchronisation“.

 

Die älteren männlichen Wildschweine sind hingegen Einzelgänger. In der Rauschzeit finden heftige Kämpfe zwischen den Keilern statt – oftmals enden diese Kämpfe nicht ohne Verletzungen. Während der Kämpfe scharren die Keiler mit den Hinterbeinen, wetzen ihre Kiefer und verspritzen Urin. Sie umkreisen einander und beobachten sich gegenseitig – dann finden die Schulterkämpfe statt. Meist sucht ein Männchen das Weite, passiert dies jedoch nicht, folgen die wirklichen Kämpfe: Dabei werden die bekannten „Hauer“, also die Eckzähne, die aus dem Unterkiefer ragen, eingesetzt und damit gezielte Schläge gegen den Bauch durchgeführt. Die Kämpfe enden erst, wenn ein Keiler ablässt und den Kampf verlässt beziehungsweise abbricht. Der Gewinner dieser Kämpfe sucht sich dann eine Rotte, die er begattet. Ist die Rauschzeit beendet, verlässt der Keiler die Rotte wieder.

 

Allgemeines über das Wildschwein
Wildschweine sind von Natur aus Allesfresser, sogenannte „Omnivore“, ernähren sich aber zu etwa 90 % pflanzlich. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem:

Gräser, Schwammerl, Wurzeln, Triebe, Kräuter, Früchte, Würmer, Mäuse, Aas, Frösche, Schlangen, Nager, Eier und manchmal machen sie auch gezielt Jagd auf noch ganz junge Rehkitze.

 

Wildschweine sind exzellente Schwimmer und nehmen auch regelmäßig Schlammbäder in den sogenannten „Suhlen“. Für den Waldboden ist das Wildschwein wertvoll, da es durch die Nahrungssuche den Boden aufwühlt und somit die Erde auflockert. In der Landwirtschaft, auf Wiesen und Feldern, können sie jedoch empfindliche Schäden anrichten.

Ab und zu verirren sich diese heimischen Wildtiere auch in Siedlungen und suchen dort nach Speiseresten.

 

 

Die wichtigsten Begriffe

 

WeibchenBache
Weibchen mit JungenFührende Bache
Weibchen, das eine Rotte führtLeitbache
JungeFrischlinge
Jungtiere im Alter von zwei JahrenÜberläufer
MännchenKeiler

Gamsbrunft: Schauspiel in den Bergen

Nicht nur Jäger, sondern auch ambitionierte Wanderer können diese urigen Bergbewohner in Aktion beobachten: Die Gämsen sind für ihre waghalsigen Manöver auf steilen Felswänden bekannt und aufgrund ihrer oft geringen Fluchtdistanz auch gut zu beobachten.

 

Diese halsbrecherischen Kunststücke im steilsten Gelände gelingen diesen Tieren durch ihre hartgummiartigen und scharfrandigen Hufe, den sogenannten „Schalen“. Das Hochgebirge bis zur Gletscherregion ist das Zuhause der Gämsen, wo wie jedes Jahr im November ein sehenswertes Spektakel, nämlich die Gamsbrunft, stattfindet.

 

Von den jungen Wilden zum Platzbock

Gamsbrunft_W.Peyfuß

Foto: W. Peyfuß

Den Männchen verlangt die Brunftzeit alles ab, denn der Weg zum eigenen Nachwuchs ist hart­: Die Böcke liefern sich wilde Verfolgungsjagden. Neuankömmlinge werden sowieso zuerst verjagt, denn um Platzbock zu werden, bedarf es eines gewissen Alters und einer Reife, die die Böcke erst ab dem sechsten bis siebten Lebensjahr erhalten. Oft kommt es bei diesen Kämpfen zu tödlichen Abstürzen. Bei den Verfolgungsjagden laufen die Tiere bis in die steilsten Felswände.  Hat sich erstmal ein Männchen als Platzbock etabliert, muss er weiter um die Gunst der Geißen buhlen. Dies gelingt ihm einerseits durch das „Blädern“, eine Art Schrei mit weit aufgerissenem Maul, und andererseits durch die für den Mensch übelriechenden, moschusartigen Duftstoffe, die aus den „Brunftfeigen“ hinter den Ohren, den sogenannten Lauschern, abgesondert werden. Anschließend muss der Platzbock bei bis zu 15 Weibchen für Nachwuchs sorgen.

 

Vor Brunftbeginn: Böcke sammeln für anstrengende Zeit Energiereserven

Aufgrund der energiezehrenden Verfolgungsjagden unter extremen Bedingungen mit den Rivalen, müssen die Böcke sich in der Sommerzeit bereits erhebliche Energiereserven anfressen. Bis zur Brunft werden diese Reserven stetig erhöht, denn während der Brunftzeit nehmen die Böcke kaum noch Nahrung zu sich. Die Energiereserven sollten jedoch bis nach der Paarungszeit ausreichen, um den Winter in den Bergen mit der kargen Nahrung zu überleben.

 

Wenn die Brunftzeit im November beginnt, ist in den Regionen der Alpengämsen besondere Rücksicht geboten:
Durch den Menschen verursachte Störreize, wie etwa durch

  • Querfeldeinwanderer
  • Schifahrer, die abseits der Piste fahren
  • Mountainbiker
  • Paragleiter
  • Segelflieger

können dazu führen, dass die Tiere zu wenig Nahrung aufnehmen und somit schlecht durch den Winter kommen. Berg- und Naturliebhaber können dazu beitragen, sich aus Rücksicht vor den Gämsen bewusst und ruhig zu verhalten und ihnen die Ruhe zu gönnen, die sie nach der anstrengenden Zeit benötigen.

Weil die Gämse eine jagdbare Tierart ist und die Bestände gut sind, können sie wegen ihres Wildbrets auch nachhaltig genutzt werden. Oberösterreichs Jägerinnen und Jäger setzen sich dadurch stark für den Lebensraum sowie einen gesunden Bestand dieser Tiere ein – dies garantiert, dass die Gämsen auch weiterhin in unseren oberösterreichischen Lebensräumen anzutreffen sind.

 

Vom Platzbock zum Einzelgänger

Ist die Brunftzeit abgeschlossen, verlassen die älteren Männchen das Rudel wieder und sind das restliche Jahr über Einzelgänger. Im Gegensatz zu den Böcken bleiben die Geißen mit den halbwüchsigen Jungtieren zusammen, um zwischen Mai und Juni ihre Kitze auf die Welt zu bringen. Nach spätestens zwei Jahren verlassen die Jungböcke ihre Muttertiere. Ab diesem Zeitpunkt geht der Kreislauf wieder von neuem los…

Steckbrief Gams

 

Gattung

Haarwild/Schalenwild
GewichtBöcke bis 35 kg, Geißen bis 25 kg
AussehenVerfärbt sein Fell („Decke“) zweimal pro Jahr; Decke im Sommer fahlgelb mit dunklem Aalstrich; im Winter dunkelbraun bis schwarz
EigenschaftenTagaktiv, vorsichtig, aber zugleich neugierig, enorme Trittsicherheit;
BrunftzeitNovember
Tragzeit26 Wochen
Setzzeit (Zeit, wo die Jungen geboren werden)Mitte Mai – Mitte Juni
Natürliche BeutegreiferLuchs, Wolf, Steinadler
NahrungGräser, Kräuter, Triebe und Blätter, Sträucher, Flechten;
HörnerMännchen und Weibchen tragen bis 25 cm lange, gekrümmte Hörner
LebensraumAlpenraum
FährteTrittsiegel besteht aus zwei keilförmigen, durch einen Zwischenraum unterbrochenen Schalenhälften

Gams Trittsiegel

www.naturimbild.at/Tierspuren

Jägersprache ≠ Jägerlatein

Den meisten Leuten ist das Wort „Jägerlatein“ wohl ein Begriff – jedoch schließen sie oftmals auf die falsche Bedeutung.  Denn unter Jägerlatein versteht man übertriebene oder gar erfundene Darstellungen von Jagderlebnissen. Oft werden diese mit den normalen Begrifflichkeiten der Weidmannsprache verwechselt und das, obgleich sie mit diesen eigentlich gar nichts zu tun haben. Die Jägerinnen und Jäger benutzen die Weidmannsprache etwa, um sich untereinander möglichst effizient zu verständigen. Die Weidmannssprache reicht zurück bis ins siebte Jahrhundert – damals war sie ein Teil der Gemeinsprache des Volks. Erst später entwickelte sie sich zur Fachsprache der Jäger. Der Auszug der Wörter, die hier erklärt werden, spiegelt jedoch in keinster Weise die Mannigfaltigkeit der Jägersprache wider. Tatsächlich gibt es 13.000 Begriffe, wobei etwa 3.000 bis 6.000 gegenwärtig in Gebrauch sind. Sie sind also Teil unserer Jagdkultur, ja sogar der Alltagssprache, wie etwa „durch die Lappen gehen“ oder „auf der Strecke bleiben“.

 

Aus der Jägersprache: Auszug aus den Jagdbegriffen

 

Als „Antragen“ bezeichnet man einen Schuss auf das Wild – und nicht wie im täglichen Leben, dass einem jemand das „Du“ anträgt.

„Anstand“ bedeutet in der Fachsprache der Jäger nicht etwa, dass die Tiere ein besonders gutes Benehmen vorweisen, sondern es bezeichnet Jäger, die das Wild in guter Deckung und unter Beachtung der Windrichtung stehend erwartet.

„Spricht ein Jäger die Wildtiere an“, so möchte er nicht mit diesen reden, sondern beurteilt diese nach Alter, Geschlecht und ihrem Zustand.

Lernt man im Jagdkurs etwa das „Aufbrechen“, so entnimmt die Jägern oder der Jäger den Tieren die Eingeweide.

 

Die „Bache“ ist das weibliche Wildschwein. Unter einer „Blume“ versteht man übrigens keine Pflanze, sondern den Schwanz des Hasen. Wird der „Spiegel“ erwähnt, meint man den Haarkranz beim Reh oder Hirsch, der auffällig anders gefärbt um das Hinterteil vorhanden ist.

Bei einem „Blattschuss“ erwischt man nicht etwa ein Blatt am Baum, sondern das Schulterblatt des Tieres. Eigentlich ist es ein „Kammerschuss“, also ein Treffer, der Herz und Lungen zerstört und das Tier einen schnellen Tod erleidet.

 

Ein Vogel, der „einfällt“, ist gerade dabei, zu landen.

 

Wenn der weibliche Fuchs, die „Fähe“, etwas auf der Spur ist, so ist sie auf einer „Fährte“.

 

Das „Geräusch“ ist im Falle der Jägersprache kein Laut, sondern bezeichnet Herz, Lunge und Leber des erlegten Wildes.

 

Hasen und Wildschweine beispielsweise, die etwas „innehaben“, sind trächtig und erwarten bald Nachwuchs, einen „Satz“ oder einen „Wurf“.

 

Mit dem „Kamm“ meint man kein Haarpflegeinstrument, sondern die Borsten z.B. eines „Keilers“, also eines männlichen Wildschweines. Die Mutter eines „Frischlings“, also eines jungen Wildschweines, nennt man „Bache“.

 

Ein „Sauhund“ ist nicht etwa ein gemeiner Kerl, sondern ein Jagdhund, der so mutig ist, dass er nicht mal vor Wildschweinen Angst hat.

 

Wenn vom „Abäsen“ gesprochen wird, so ist das Wild, das die Pflanzen abfrisst, gemeint. Wird von „Verbissschäden“ berichtet, meint man Schäden an Blättern, Zweigen oder Knospen, die durch das Anknabbern der Wildtiere entstehen. Beim „Kirchgang“ gehen die Wildtiere keineswegs in die Kirche, stattdessen wandern die Hirsche von ihrem „Äsungsplatz“ in den Wald.

Viele Leute sagen zum Fleisch vom Wild salopp „Wildfleisch“. Der korrekte Begriff hingegen ist „Wildbret“.

 

Der Begriff „Platzhirsch“ kommt tatsächlich aus der Jägersprache und bedeutet, dass ein Hirsch den Brunftplatz beherrscht. Mit einem „Mönch“ ist im Übrigen kein Ordensbruder, sondern ein geweihloser Hirsch gemeint, wohingegen ein „Schneider“ ein junger Hirsch ist.

 

Am bekanntesten ist wohl der Begriff „Weidmannsheil“. Er drückt einerseits den Wunsch für eine erfolgreiche Jagd aus, bedeutet aber andererseits den Glückwunsch zur erfolgreichen Jagd. Bedankt wird sich unter Jägerinnen und Jägern mit einem „Weidmannsdank“.

Jägerin mit Bock und Bruch

Redewendungen aus dem Alltag

Haben Sie sich jemals gefragt, woher unsere Redewendungen kommen? Tatsächlich lassen sich einige Begrifflichkeiten aus dem täglichen Leben von der Jagd ableiten.

 

  • „Ich hab´ davon Wind bekommen.
    In der Fachsprache der Jäger bedeutet Wind bekommen nicht, dass Wildtiere etwas Ungewolltes erfahren, sondern dass sie etwas riechen.

 

  • „Unser Projekt wird in die Binsen gehen.“
    Bei der Entenjagd kann es leicht passieren, dass sich die Enten in die Binsen – das sind Gräser in und am Wasser, die nur schwer zugänglich sind – flüchten. Da die Tiere meistens nicht mehr gefunden werden, steht diese Redewendung für einen Verlust in einer gewissen Situation.

 

  • „Ich bin dem Trick auf den Leim gegangen.“
    Dies bedeutet, dass man auf einen Trick hereinfällt. Ursprünglich rührt dies daher, dass Jäger früher noch nicht die technischen Hilfsmittel wie Gewehre etc. besessen haben. Dadurch haben sie auf den üblichen Landeplätzen der Vögel Leim geschmiert, sodass diese kleben blieben. Die Jäger konnten die Tiere anschließend einsammeln.

 

  • „Kinder, spitzt die Löffel
    Wenn das Frau Lehrerin damals oft gesagt hat, meinte sie damit, dass die Kinder besonders aufmerksam sein sollen. In der Jagd bedeutet das hingegen, dass die Hasen ihre Ohren, die „Löffel“, aufstellen, um die Gefahren besser abschätzen zu können.