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Waldschule statt Homeschooling

Hochsensibel in der Natur: Der Nachwuchs wird zur grünen Hoffnung

Wir Menschen sind ein Teil der Natur und haben im Grunde eine tiefe Verbundenheit zu ihr. Doch wie Beziehungen es generell so an sich haben, gehört auch die Liebe zur Natur entsprechend gepflegt. Beziehungsweise gilt es, ihre wahre Schönheit erst einmal zu entdecken. Und wer dies von Kindesbeinen an tut, lernt für ein ganzes Leben.

Warum also nicht die, wenn auch im Moment viral bedingt sehr eingeschränkte, Herbstzeit für eine lehrreiche „Schulstunde“ bei Mutter Natur nutzen? In Erinnerung sei hier ein Zitat von Luther Standing Bear, Häuptling der Oglala-Lakota-Sioux, gerufen: „Die Alten wussten, dass das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet, hart wird. Sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht, Wertschätzung von allem Lebendigem und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht und Wertschätzung vor den Menschen absterben lässt. Deshalb war der Einfluss der Natur, der die jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.”

Kreative Auszeit

Besonders Kinder blühen in der Natur so richtig auf. Sie sind in Bewegung, alle Sinne werden angesprochen und sie dürfen der eigenen Neugierde folgen. Baum um Baum zieht die Natur sie in ihren Bann. Fantasie und Kreativität werden entsprechend geschult.

So richtig spannend wird es aber auf weiter Wald- und Wiesenflur, wenn man sich die Vielzahl heimischer Wildtierarten bewusst macht. Und hier gilt ganz besonders: Wer den Lebensraum unserer heimischen Wildtiere betritt, sollte stets Umsicht und Respekt mit im Gepäck haben.

Um diese nötigen Fertigkeiten entsprechend zu schulen, stellt der Oberösterreichischen Landesjagdverband das nötige Material bereit. Konkret wurde ein spezieller Wildtierkalender für Kinder gemeinsam mit Jagd Österreich entwickelt. Verteilt wird bzw. wurde dieser unter anderem in allen 4. Klassen der heimischen Volksschulen.

„Gebot der Stunde

Für mich als Landesjägermeister  ist dieser Wildtierkalender quasi ein „Türöffner“ hin zu einer faszinierenden Welt. Als Jäger weiß ich um den unglaublichen Wert einer intakten Natur und wieviel man von der Natur profitieren kann. Und genaue dies gelte es der Jugend zu vermitteln.

Fahren Jäger immer mit dem Auto bis zum Hochsitz?

Es gibt unzählige Comics und lustige Geschichten in denen es um Jäger geht, die mit ihrem Jagdauto direkt bis zum Hochsitz fahren. Aber ist das verwerflich?

Natürlich fahren wir, wenn es das Gelände ermöglicht, in die Nähe unserer Hochsitze. Warum auch nicht …

Wenn sportliche Fitnessstudio-Besucher mit ihrem Auto auf den Parkplatz vorm Fitnessstudio fahren, fragt man auch nicht warum sie nicht mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Fitnessstudio gekommen sind. Schifahrer würden sich auch das Aufwärmen ersparen, wenn sie nicht direkt am Parkplatz neben der Gondel parken würden 😉

In unserer Gesellschaft gibt es viele Vorurteile und das ist völlig normal. Ohne verbreitete Vorurteile würden wir uns nicht einzelnen Gruppen zugehörig fühlen, und wir müssten ständig individuelle und eigenständige Entscheidungen treffen.

Es liegt in der Natur des Menschen dass wir gleich und doch verschieden sind. Wir Jäger kennen den Begriff der Diversität. Diversität kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Vielfalt und Vielfältigkeit. Man könnte es auch als Vielfalt von Gemeinsamkeiten und Vielfalt von Unterschieden beschreiben und es gibt daher auch kein Patentrezept gegen Vorurteile und Missgunst.

Muss etwas tatsächlich mühsam und beschwerlich sein, damit wir es Anderen gönnen?

Wenn man den Blick auf sich selbst richtet und dabei versucht Situationen wertfrei zu betrachten könnte es helfen das Leben entspannter und harmonischer zu leben.

Viel Spaß, wenn Sie das nächste Mal ein Jagdauto in der Nähe eines Hochsitzes sehen, oder wenn Sie mit dem Auto zu einem Ihrer Hobbys fahren.

 

 

Fotos: Peter Mayr

Soziale Nähe mit Bruder Baum

Nichts geht mehr. Um der zweiten Infektionswelle der Corona-Pandemie den Schwung zu nehmen, hat die österreichische Bundesregierung erneut das öffentliche Leben weitgehend lahm gelegt. Gut drei Wochen muss der Handel bis auf wenige Ausnahmen schließen. Sämtliche Schulen haben auf Fernunterricht umgestellt. Zudem gelten rund um die Uhr umfassende Ausgangsbeschränkungen. Und die Botschaft an die 8,8 Millionen Österreicher könnte klarer nicht sein: „Treffen sie sich mit niemanden. Jeder soziale Kontakt ist einer zu viel”, mahnte Bundeskanzler Sebastian Kurz eindringlich.

Grüne Nähe
Nicht auf der Liste verbotenen Sozialkontakte steht aber auch diesmal „Bruder Baum“. Wald und Wiesen bieten nämlich in Zeiten, in denen man von gemeinsamen Kaffeehausrunden mit Freunden, einem Kinobesuch oder einem Ausflug in den Zoo nur träumen kann, eine willkommene und vor allem erholsame Abwechslung. Das Grün vor der eigenen Haustür wird im Lockdown zum Upload für die Seele.

Unterholz-Philosophie
Wenig verwunderlich also, dass mit der erneuten, viral bedingten „Auszeit“ der Wunsch nach einem stillen Ort der grünen Sehnsucht enorm ist – und die herbstlichen Wiesen und Wälder regelrecht gestürmt werden. Viele Menschen merken, wie gut ihnen ein Aufenthalt in der Natur tut, sie erdet und nachhaltig entspannen lässt.
Über Jahrtausende hat sich für eine geistige Frischzellenkur stets ein Ausflug in den Wald bewährt. Meist reichen schon kurze Besuche im Grünen aus, um nachhaltig gestärkt und gut gelaunt aus dem Unterholz wieder in die Isolation zurückzukehren.

Wald-Erfahrung
Für Oberösterreichs Jäger und Jägerinnen ist der Wald hingegen gelebter Alltag. Wenn man ganzjährig im Einklang mit der Natur lebt, weiß man eben über die grüne Magie bestens Bescheid. Umso schöner ist es zu beobachten, dass sich dieses Naturwunder jetzt offensichtlich auch Menschen erschließt, die vielleicht vorher mit dem Wald weniger anfangen konnten.
Doch wie in anderen Lebensbereichen auch, braucht es für einen friedvollen und nachhaltigen Besuch im Unterholz das nötige Maß an Respekt. Mit dem kleinen „Wald-Knigge“ im Hinterkopf lassen sich mögliche Konflikte – zwischen Waldbesuchern und dem Ökosystem, zwischen Waldbesuchern untereinander, zwischen Besuchern und Besitzern – verhindern.


Wald und Wiesen bieten in Zeiten, in denen man von gemeinsamen Kaffeehausrunden mit Freunden, einem Kinobesuch oder einem Ausflug in den Zoo nur träumen kann, eine willkommene und vor allem erholsame Abwechslung. Das nötige Maß an Respekt in der Natur ist aber notwendig! Foto: Ch. Böck

Herbstleuchten – unbedingt genießen!

Der Wald präsentiert sich im Herbst von seiner farbenfrohsten Seite. Da erstrahlen Bäume plötzlich in sattem Gelb, flammendem Rot oder leuchtendem Orange. Andere verfärben sich in dezente Brauntöne. Gemeinsam mit vielen stets grünen Nadelbäumen bildet sich so oftmals ein atemberaubender „Fleckerlteppich“.
Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, der ist im Herbst stets aufs Neue begeistert von diesem Farbschauspiel.

Auch Kinder sollten zu dieser Zeit den Wald mit allen Sinnen entdecken dürfen. Dabei können Bäume, Blätter und Früchte bestimmt werden, ein Waldlexikon ist dazu oft sehr hilfreich. Es macht auch Spaß, die gesammelten Schätze Zuhause zu einer Herbstdekoration zu verarbeiten. Besonders aus Kastanien, Eicheln und anderen Früchten können lustige kleine Männchen gebastelt werden.

Wichtig bei jedem Waldspaziergang ist natürlich ein respektvolles Verhalten der Umwelt gegenüber. Kinder lernen dieses vor allem durch Vorbildwirkung von Erwachsenen. Wenn man also auch ein bisschen Hausverstand, Herz und Respekt im Gepäck hat, dann steht ein paar entspannenden und auch lehrreichen Stunden im Wald nichts im Wege!

Treibjagden

Als wichtiger Hinweis sei noch angemerkt, dass der Herbst jagdlichen Hochbetrieb in den heimischen Revieren bedeutet. Vermeiden Sie daher bitte unnötige Beunruhigungen und halten Sie sich von Gebieten fern, in denen offensichtlich gerade eine Jagd abgehalten wird. Nur miteinander, nicht gegeneinander, kann ein friedliches Zusammenleben funktionieren!

Vielen Dank!

Wildes Gütesiegel

Die Plakette mit Genuss-Garantie: OÖ. Landesjagverband zeichnet heimische Wildbretküche aus.

Gerade in Zeiten, in denen die Fleischindustrie durch Klimawandel und Corona in Misskredit geraten ist, gilt es auf die Vorteile von heimischem Wildbret hinzuweisen.

Wertvolle Omega-3- sowie Omega-6-Fettsäuren und ein hoher Gehalt an Zink, Selen, Eisen als auch ein geringer Bindegewebeanteil sind charakteristisch für Wildbret. Die natürliche Ernährung der Wildtiere und ihre ständige Bewegung in der freien Natur sind dafür verantwortlich, dass ihr Fleisch frei von künstlichen Zusätzen ist und zugleich einen hohen Gehalt an hochwertigem Eiweiß aufweist.

Kein Stress am Lebensende

Ein weiterer Vorteil von Wildbret ist, dass es frei von Lebendtiertransporten und ohne Schlachtstress direkt aus seinem natürlichen Lebensraum von Jägerinnen und Jägern respektvoll entnommen wird. Eine Fleischgewinnung in dieser Natürlichkeit und mit dem Ziel, den Artenreichtum zu erhalten, ist eine Leistung, die nur die Jagd in Österreich vollbringen kann und dies wird von immer mehr Menschen geschätzt.

Ganzjähriges Angebot

Doch mit einer Wertschätzung alleine ist es nicht getan: In Sachen Wildbret neigt der Mensch zum lustvollen Verzehr. Was eine entsprechende Verarbeitung in den Küchen dieses Landes vorrausetzt. Und wer in Oberösterreich sowohl beim Fleisch, als auch bei der Verarbeitung auf Qualität setzt, darf sich mit ganz speziellen gastronomischen Lorbeeren schmücken: Die Wildbretplakette des OÖ. Landesjagdverbandes „Ausgezeichnete Wildgerichte aus Oö. Revieren“ wird nur an ausgewählte Restaurants und Gasthäuser mit hervorragender, regionaler Wildbretküche verliehen. Grundvoraussetzung ist, dass Wildgerichte nicht nur zu Wildbretwochen im Herbst auf der Speisekarte stehen, sondern das ganze Jahr über angeboten und das Wildbret nur aus den heimischen Jagdgebieten bezogen wird.

Wildgericht

Mit dieser Auszeichnung wird das genussvolle Veredeln von hochwertigem Wildbret aus der Region gewürdigt und die gute Zusammenarbeit zwischen der Jägerschaft und den Wirten hervorgehoben. Die Gastronomie ist ein wichtiger Partner für die heimische Jägerschaft und garantiert, dass oberösterreichisches Wild in erstklassiger Verarbeitung und Qualität auf die Teller der Gäste kommt. Somit beschreitet das weidgereicht- gewonnene Wildbret aus der Natur, aus regionaler Nachhaltigkeit die Küche und für den Gast wird das Weidwerk erlebbar.

 

Hier finden Sie die ausgezeichneten Gasthäuser: www.ooeljv.at/home/rund-um-die-jagd/wildbret-rezepte/ausgezeichnete-gastronomie/

 

 

 

Neue Kreativität am Herd

Ob am E-Herd oder direkt über dem Feuer, ob mit Gas oder im High Tech-Smoker – Kochen erfreut sich einer ungebrochenen Beliebtheit. Für viele Hobby-Kochlöffelschwinger gibt es meist nur ein Vergnügen, das größer ist als die Freude, gut zu essen: Gut zu kochen.

Fleisch neu denken

Fast logisch, dass auch die Wahl der Zutaten eine wichtige Rolle spielt. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen das Fett aus dem Fleisch triefen musste. Heute stehen vielmehr Gesundheit und Qualität im Vordergrund. Und immer mehr Köche entdecken so die Früchte des Waldes. Mit Geschmack und rustikalem Charakter passt Wildbret perfekt in die Küche. Besonders stechen jetzt Hirsch und Reh aus freier Wildbahn hervor, also zwei Wildarten, die in Oberösterreich in guten Beständen vorkommen und unbedenklich in größerer Menge nachhaltig bejagt werden können.

Sabine Gründling beim Vorbereiten des FleischesGanzjährige Saison

Für Sabine Gründling – leidenschaftliche Jägerin, Ernährungsexpertin und Inhaberin des Restaurants „Keller Kulinarik“ in Katsdorf – verschwimmen die zeitlichen Grenzen für Wildgericht mittlerweile: „Natürlich ist vor allem der Herbst die klassische Zeit für Wildgerichte. Aber ein zarter Rehrücken darf heute etwa bei Grillabenden nicht fehlen.“

Warum Wildbret eindeutig die gesündere Fleischvariante ist, erklärt Gründling so: „Es beginnt bei der Lebensart des Tieres. Immer in der Natur, immer in Bewegung. Und sie fressen, was die Natur bietet. Im Magensystem der Wiederkäuer, aber auch beim Feldhasen wird die Nahrung gut aufgeschlossen, so werden mehr ungesättigte Fettsäuren aufgenommen und gelangen ins Fleisch.“ Dies sei bei keiner Nutztierhaltung – ob Schwein oder Rind – der Fall.

Hinzu komme, dass Wildbret ein „sehr hochwertiger Eisen, Zink und Selen-Lieferant ist“. Aber selbst das hochwertigste Grundprodukt kann bei falscher Zubereitung zur Minderware werden. Die Expertin rät daher, das erlegte Wild „im Kühlraum bis zu maximal einer Woche abhängen zu lassen“. Das mache aber ohnehin der Jäger oder Wildbrethändler. Dadurch reife das Fleisch. Gründling: „Nach dem Zerlegen ist es von Vorteil, das Fleisch nicht gleich einzufrieren, sondern im Kühlschrank ruhen zu lassen.“

Vor der Zubereitung muss das Fleisch auf Zimmertemperatur gebracht werden. Gründling: „Dann unbedingt scharf anbraten. Und nach der Pfanne hat sich das Fleisch noch eine Rast verdient.“

Tipps zur Zubereitung und mehr Themen finden Sie auf: www.ooeljv.at/tv

 

 

Mein Zugang zur Jagd

Weidmannsheil! Ich darf mich vorstellen, mein Name ist Karin Gründlinger. Ich lebe und weidwerke in Gaspoltshofen. Beruflich bin ich als Lehrerin tätig. Die Liebe zur Natur und zur Jagd wurde mir schon in die Wiege gelegt und von meinem Vater seit meiner frühesten Kindheit unterstützt. Wen wundert es da, dass ich die Jagdprüfung unbedingt so bald wie möglich machen wollte! Dass damals der Prüfungstermin am selben Tag angesetzt war, wie die schriftliche Englisch-Matura, konnte mich auch nicht aufhalten! Also hieß es an diesem Tag: „Raus aus der Klasse – Rein in die grüne Montur!“ Und dieses Motto ist mir bis heute geblieben. Nach einem Tag in der Schule gibt es für mich nichts schöneres, als mit meinem Dackel in den Wald zu marschieren! Es freut mich, wenn ich euch auf diesem Wege ein wenig daran teilhaben lassen kann!

Im Wort „Jäger“ steckt für mich wie selbstverständlich auch das Wort „naturverbunden“. Und als solch naturverbundene Jägerin gehe ich zu jeder Zeit gerne hinaus ins Revier. Unumstritten am meisten liebe ich dabei die Tage, an denen im Frühling die Natur erwacht. Für mich gibt es nichts schöneres, als mich an einem der ersten warmen Frühlingstage an einen kleinen Bachlauf zu setzen und das Schauspiel um mich herum zu genießen. Dabei kann man der Natur richtig beim Erwachen zusehen!

 

Vögel tummeln sich im Geäst und singen die fröhlichsten Frühlingsweisen. Insekten kommen hervor und wärmen sich an diesen ersten, so wohltuenden Sonnenstrahlen. Sogar jede einzelne Schlüsselblume zeigt einem mit der Entschlossenheit, mit der sie ihre Blüten der Sonne entgegenstreckt, wie sehr sie sich nach dem Winter auf diese Tage gefreut hat. Und zu all dem murmelt das Bächlein leise vor sich hin. Da muss einen doch eine tiefe Dankbarkeit für unseren schönen Flecken Erde überkommen!

Gerade wir Jäger erleben die Natur mit all ihrer Schönheit das ganze Jahr über hautnah mit. Ich bin mir längst schon sicher, dass das der wahre Grund ist, warum wir Jäger Jäger geworden sind. Weil unsere Seele nirgends so aufblühen kann, wie mitten in der Natur.

Als Jäger obliegt uns aber auch das vertrauensvolle Privileg, die Natur nutzen zu dürfen, aber auch in die Natur eingreifen zu müssen. Denn leider funktionieren die natürlichen Kreisläufe nicht mehr ohne unser Zutun. Tage wie dieser heute am Bach rufen in mir – auch wenn ich dabei jagdlich nicht in die Natur eingegriffen habe – immer am meisten die Demut hervor, die uns Jäger bei jeder unserer Handlungen wie selbstverständlich begleiten sollte. Nämlich mit Demut vor der Natur, Demut vor dem Geschöpf und Demut vor der großen Verantwortung, die wir in diesem Zusammenspiel tragen.

Es freut mich, Sie auf diesem Wege ein wenig an meinen jagdlichen Ansichten teilhaben lassen zu können. Und noch mehr freut es mich, wenn sie meinen Geschichten mit Offenheit und Interesse begegnen!

 

 

 

Frühling in der Natur ist Jungtierzeit – viel Ruhe bitte!

Die Natur erwacht. Bäume, Sträucher und Blumen blühen langsam auf und ebenso kommt es in der Tierwelt im Wald und den Fluren zu neuem Leben. Der Frühling ist ein faszinierendes Naturerlebnis. Gerade heuer in der für viele beengten Corona-Zeit doppelt. Hinaus in den Wald, so die Devise vieler. Der Wald im Frühling 2020 genießt eine besondere Anziehungskraft. Dem Regionalen wird wieder mehr Wert beigemessen, ebenfalls der Natur, das „Immer Mehr“ wird hinterfragt, viele besinnen sich wieder auf das Wesentliche.

Ob das alles anhält, wird die Zeit nach Corona weisen. Eines wäre dabei schön: Wenn auch dann noch die Menschen die intakte Natur so schätzen wie jetzt!

Nicht wenige gehen jetzt mit offeneren Augen durch die Welt und atmen die frische Luft des Waldes besonders bewusst. Vielleicht kann so mancher jetzt nachfühlen, was wir als Jäger so an der Natur, am Wald und seinen Tieren schätzen. Und warum wir uns so verstärkt für den Wald, die Felder und Wiesen sowie deren Tiere einsetzen.

Sie können uns dabei unterstützen, wenn Sie jetzt bei Ihrem Besuch in der Natur, die Tiere in der Brutzeit pfleglich behandeln und sie in ihrem Aufwachsen nicht stören. Damit wir uns alle gemeinsam an unserer schönen und gesunden Natur erfreuen können!

Die Monate April, Mai, Juni sind eine besonders heikle Zeit für Tiernachwuchs in unseren Wäldern, Wiesen und Feldern. Es ist die Hauptbrut- und -setzzeit und damit eine sehr kritische Phase. Die gegenseitige Rücksichtnahme, die in der derzeitigen Krisenzeit so propagiert und auch praktiziert wird, sollen auch die Wildtiere spüren. Ihr Nachwuchs muss Raum und Muße haben, um gesund und ungestört heranwachsen zu können. Und daher gilt im Frühling der bekannte Satz ganz besonders: Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Es ist nicht selten falsch verstandener Tierschutz, der den Tieren besonders schadet.

Tipps der Jägerschaft

Daher ein paar Tipps und Bitten der Oö. Jägerschaft, um eine möglichst intakte Natur zu bewahren. Viele Muttertiere kommen von Natur aus nur selten zum Brutplatz und zu den jungen Tieren. Der Nachwuchs ist es gewöhnt über Stunden allein zu sein. Die Muttertiere verlassen ihren Nachwuchs nicht für immer, sie sind nur mal weg, um selbst auf Nahrungssuche zu gehen oder Fressfeinde von den Kleinen fern zu halten. Also niemals Jungtiere streicheln! Niemals auch Brutplätze und Nester aus nächster Nähe beobachten. Niemals Tiere gar wegtragen oder anfüttern.

Viele Jungtiere, Rehkitze etwa, kommen fast ohne eigenen Körpergeruch zur Welt. Es kann also dazu führen, dass die Mutter das Jungtier verstößt, wenn ihm menschlicher Geruch anhaftet.

Die Natur ist kein Abenteuerspielplatz, daher gekennzeichnete Wege nicht verlassen, nicht „querwaldein“ oder „querfeldein“ spazieren, laufen oder biken. Und ganz wichtig für Hundebesitzer: Hunde im Wald immer anleinen. Man darf keinesfalls den natürlichen Jagdtrieb des Vierbeiners unterschätzen. Die Zuneigung, die man seinem Hund gibt, sollte man gerade im Frühling, wo junge Tiere nicht einmal flüchten können, auch diesen geben.

So viele Menschen wie kaum einmal suchen jetzt zum Stressabbau und zur Erholung den Wald auf, man soll daher schauen, dass der Aufenthalt dort nicht mit Stress für die Wildtiere verbunden ist. Die Natur sagt Weidmannsdank! Und ich schließe mich als Landesjägermeister an.

Bald kommt auch die Zeit der Rehkitze, wie hier säugend bei der Rehgeiß, wieder. Gerade Jungtiere sind besonders schützenswert. Bitte, tragen Sie auch dazu bei!

Foto: F. Reinthaler/OÖ Landesjagdverband

 

Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner – Jagdblogger

Mein Name ist Herbert Sieghartsleitner. Seit 36 Jahren übe ich die Jagd in meiner Heimatgemeinde Molln aus und habe es von der Pike auf gelernt. Ich lebe mit meiner Frau und drei Kindern im Bezirk Kirchdorf und bin von Beruf Land- und Forstwirt. Seit 12 Jahren bin ich nun Bezirksjägermeister von Kirchdorf und die letzten sechs Jahre war ich Vertreter unseres Ehrenlandesjägermeisters Sepp Brandmayr. Ich freue mich, dass ich seit April 2019 die Funktion des oberösterreichischen Landesjägermeisters übernommen habe. Nicht nur das Amt des Landesjägermeisters, sondern auch meine Funktion als Jagdblogger ist neu für mich. In meinen Blogbeiträgen ist es mir ein besonderes Anliegen Ihnen die Jagd, wie ich sie erlebe, näherzubringen, denn die Jagd hat dann ihre Legitimation, wenn das Tun nachvollziehbar ist und sinnstiftend erklärt werden kann.

 

Mit der Natur bin ich seit jeher eng verbunden. Ich legte meine Jagdprüfung bereits mit 18 Jahren ab. Für mich ist die Jagd viel mehr, als Beute zu machen. Es geht um die Freude und die Achtung gegenüber der Natur, aber auch Hege und Schutz des Wildes und die Förderung des natürlichen Gleichgewichts in einer Kulturlandschaft. Für mich ist die Jagd eine Lebenseinstellung und bedeutet Verantwortung für den Wald und das Wild als auch Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Auch wenn es verschiedenste Zugänge  zur Jagd gibt, sollte es in unserem Tun immer um die Verantwortung für unsere heimischen Wildtiere und deren Lebensräume gehen.

Die zahlreichen ökologischen Funktionen der Wildäcker

Wildäckern schaffen neue Lebensräume für Flora und Fauna

In der heutigen Agrarlandschaft werden meist in großräumigen Strukturen überwiegend Getreidemonokulturen angebaut. Durch diese intensive Nutzung der Felder geht die Artenvielfalt der Flora in unseren Breiten, die Rehe, Hasen und Co. als Nahrungsmittel bräuchten, stetig weiter verloren. Mit neu angelegten Wildäckern will die Jägerschaft daher zusätzliche Artenvielfalt schaffen. Zudem kann das Wild in Notzeiten seinen Energiebedarf selbst nur schwer decken und muss von den eigenen Reserven zehren. Wildäsungsflächen, wie Wildäcker auch genannt werden bieten dem heimischen Wild ein wahrliches Schlaraffenland an frischen Gräsern, Blumen und Kräutern auch bei Schnee und Eis oder im Sommer bei großer Hitze. Auch sind zusätzliche Äsungsflächen eine wichtige Maßnahme um Wildschäden in jungen Aufzuchtzonen sowie im Forst zu vermeiden. Zudem geben Wildäcker Bodenbrüter und Insekten Deckung vor ihren natürlichen Feinden und neue Lebensräume werden geschaffen. Wildäcker erfüllen zahlreiche ökologische Funktionen.

 

Das Anlegen eines Wildackers

Wildaecker_L. WiesingerWildäcker werden meist zwischen Ackerflächen oder Stilllegungsstreifen sowie an Gewässer- und Waldrändern angelegt. Richten Jägerinnen und Jäger einen Wildacker im Wald ein sollte dieser an einer sonnigen, ruhigen und ungestörten Lage nahe dem Gebiet angelegt werden, in denen das Wild seinen Einstand hat. Wildäcker in der Feldflur sollten in Regionen angebaut werden, die von Menschen selten aufgesucht werden. Gepflanzt werden entweder einjährige Wildäsungsflächen, die jedes Jahr wieder neu gesät werden müssen oder Daueräsungsflächen, die über mehrere Jahre Bestand haben und nur erneuert werden, wenn der Artenreichtum nachlässt und sich nur dominantes Unkraut durchgesetzt hat.

 

Die Jägerinnen und Jäger starten mit der Aussaat für Wildäsungsflächen im Frühjahr. Angebaut werden Gräser, Kräuter und Früchte für eine ausgewogene Nahrungsvielfalt. Wildäcker werden speziell an die Bedürfnisse des Wildes angepasst. Wichtig beim Anlegen einer neuen Äsungsfläche ist daher eine art- und wiederkäuergerechte Anpflanzung, um den speziellen Äsungsbedarf des Wildes zu decken. Wildäcker werden vom Rotwild, Damwild, Reh- und Schwarzwild aufgesucht, die hier primär ihre Nahrung finden. Niederwildarten – wie Fasan, Rebhuhn oder Feldhase – laben sich am Wildacker suchen aber auch Schutz vor natürlichen Fressfeinden. Fuchs, Marder und andere Prädatoren machen in diesen Wildackerregionen Jagd auf ihr Beutespektrum, das sich selbst zur Nahrungsaufnahme am Wildacker eingefunden hat. Aber auch besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten nutzen Wildäcker als Ersatz für extensiv genutzte Äcker. Unter den Tieren sind dies Schwarz- und Braunkehlchen oder auch verschiedenen Insektenarten. Aber auch Pflanzen, wie Ackerwildkräuter, die auf den intensiv genutzten Ackerflächen keine Chance haben, finden sich immer wieder auf den neu angelegten Wildäsungsflächen.

 

Die blühende Artenvielfalt am Wildacker

Die Aussaat wird auf das vorherrschende Wild abgestimmt. Niederwild braucht viele kleine, langgezogene, abwechslungsreiche Wildäcker. Aber auch einfache Wiesen mit hohem Anteil von Süßgräsern, Kräutern und einem hohen Anteil von Klee werden von Hasen und Co. aufgesucht. Im Gegensatz dazu braucht es in Hochwildrevieren große Wiesen mit unterschiedlichsten Kräutern und Gräsern.

 

Außer der pflanzlichen Vielfalt, werden auch Getreidesorten, wie Mais, Hafer oder Buchweizen und Früchte, wie Topinambur, Rüben oder Kohl angebaut. Mittels winterresistenten Pflanzen finden Rehe, Hasen und Co. auch im Winter Futter auf dem Wildacker.

Auch die Umgebung wird bei der Aussaat berücksichtigt und die Boden- und Lage-Bedingungen sowie die Verträglichkeit mit dem Saatgut beachtet. Jede Pflanze stellt bestimmte Ansprüche an ihre natürliche Umgebung und braucht verschiedenstes für ihr Wachstum. Lupinen und Ginster gedeihen beispielsweise nur auf sauren Böden und sind für Kalkböden ungeeignet. Um die richtige Saatmischung zu finden müssen die Jägerinnen und Jäger die Äsung auf eine Hauptwildart ausrichten. Entweder soll ein „Hasengarten“ (Erklärung), eine „Schwarzwild-Ablenkung“ (Erklärung) oder ein universeller Lebensraum für alle entstehen.

 

Wildäcker reduzieren Schäden im Wald

Im Frühjahr findet sich für Reh, Hase und Co. meist genügend Äsung in der Natur. Raps und Weizen werden auf den Feldern genascht, auf den Wiesen sprießt das frische Gras, energiereiche dicke Knospen in Hausgärten und frisch ausgeschlagene Blätter im Wald sorgen für ausreichend Nahrung. Um allerdings die Schäden, die das Wild bei der Suche nach Nahrung auf den Felder, in Gärten und auch im Wald anrichtet zu minimieren, sollten bereits nach dem Winter gepflegte und gut gedüngte Wildwiesen vorhanden sein. Mit dem Anlegen von Wildäckern kann der Wilddruck im Wald gesenkt werden. Die auf Wild und die Umgebung abgestimmte, Pflanzenvielfalt erweitert das Äsungsangebot des Wildes und bietet Schutz für eine ruhige Nahrungsaufnahme.

 

Mehr zum Thema Wildäcker finden Sie auf der Internetseite des OÖ Landesjagdverbandes http://www.ooeljv.at/wild-und-natur/lebensraume/