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Luchs im Schnee

Wieder vermehrte Luchsmeldungen in Oberösterreich

9. Januar 2017/von Christopher Böck

Luchs im Schnee_J Thurner

Ein Gastkommentar von Mag. Christopher Böck, Geschäftsführer des OÖ. Landesjagdverbandes:

Sie sehen aus wie kuschelige Hauskatzen, haben es aber faustdick hinter ihren Pinselohren – die Luchse. Ja, sie sind wieder da. Nachdem die Luchse, gemeinsam mit anderen Großraubtieren, wie Wölfe und Braunbären, im 19. Jahrhundert bei uns ausgerottet wurden, gab es gegen Ende des 20. Jahrhunderts einige Versuche die Tiere wieder anzusiedeln. So wurden damals 17 Luchse aus den slowakischen Karparten eingefangen und im Gebiet des heutigen Sumava Nationalparks in Südböhmen mit behördlicher Genehmigung wieder freigelassen. Ab 1990 breitete sich die Population dann zunehmend auch über die Grenzen Tschechiens hinweg aus, sodass seit Mitte der 1990er Jahre einige Luchsnachweise auch im Mühlviertel gelangen.

Vor wenigen Jahren wurden einzelne Tiere in ihrem ehemaligen Lebensraum in den Alpen angesiedelt, um bestehende Einzelluchse in ihrem Bestand zu stützen. Luchse haben Streifgebiete, die zwischen 5.000 und 20.000 Hektar groß sind. Jene von Männchen, den Kudern, und von Weibchen, den Katzen, überlappen sich dabei; gleichgeschlechtliche Tiere werden nicht geduldet.

Barrieren, vor allem in Form von Verkehrswegen, erschweren die Wanderungen und damit die Ausbreitung der scheuen Waldkatze. Illegale Tötungen sind leider ebenso ein limitierender Faktor, dass Luchse wieder vermehrt umherstreifen. Und doch fanden einige in den Wäldern Österreichs eine neue Heimat.

 

Sie sind unter uns

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass acht bis neun Luchse im Mühlviertel leben. Die Gesamtpopulation im bayrisch-böhmisch-österreichischen Böhmerwaldbereich wird auf 60 bis 80 Tiere geschätzt.

Die oberösterreichischen Jägerinnen und Jäger berichten in den letzten Monaten vermehrt von Luchsnachweisen in ihren Revieren. Alleine in den letzten sechs bis acht Wochen konnten die Rufe von Luchsen im westlichen Teil des Bezirks Urfahr-Umgebung gehört werden. Belegte Sichtungen gab es im Bereich des Mondsees. Einige gerissene Rehe konnten durch extra geschulte Jäger dem Luchs in den Bezirken Rohrbach, Urfahr-Umgebung, Freistadt, Kirchdorf, Steyr-Land und Vöcklabruck zugeordnet werden. Der OÖ Landesjagdverband zahlt hier sogar Meldeprämien, um gute und objektive Daten zu erhalten.

 

Das Leben der Pinselohren

Luchse leben in größeren Wäldern, denn sie brauchen gute Versteckmöglichkeiten und Ruhe. Waldrandbereiche sind für ihn als Jagdgebiet attraktiv. Luchse sind Einzeljäger und pirschen ihre Beute an – im Gegensatz zum Wolf sind sie keine Hetzjäger. Außerdem steht ausschließlich Fleisch am Speiseplan, bevorzugt von Reh und Gämse, wobei ein ausgewachsener Luchs zwischen 50 bis 60 Rehe pro Jahr in seinem meist großem Streifgebiet erbeutet. Aktiv sind Luchse vor allem in der Dämmerung und in der Nacht, tagsüber schlafen sie oder betreiben ausgiebige Körperpflege. Die Jungtiere werden im Frühsommer geboren.

 

Neugierig, aber unsichtbar

Luchse sind neugierige Tiere, aber sie meiden den direkten Kontakt mit Menschen. Scheu sind sie eher nicht, vielmehr „unsichtbar“, denn durch ihr Fell sind sie hervorragend an den Lebensraum Wald angepasst. So beobachtet ein Luchs sein Umfeld und zieht sich bei Gefahr zurück. Kommt es dennoch zu einer der raren Begegnung mit dem Tier – nur sehr wenige haben das Glück einen Luchs live zu sehen – bleiben Sie ruhig stehen oder setzen sich hin. Der Luchs wird dies ebenso tun und irgendwann von dannen ziehen.

 

Akzeptanz für Luchse

Soll der Luchs dauerhaft in unserer Kulturlandschaft erhalten bleiben, braucht es Akzeptanz aller Beteiligten, um eine nachhaltige Besiedelung zu unterstützen. Auch der OÖ Landesjagdverband setzt sich verstärkt bereits seit 1990 für den Schutz der Luchse ein. Verstöße, wie Abschüsse der ganzjährig geschonten Art, werden in Oberösterreich beispielsweise mit einer Geldstrafe von bis zu 2.200 Euro sowie dem Entzug der Jagdkarte geahndet. Luchse stehen national ganz oben auf der Roten Liste, gelten sie doch als stark gefährdet.

 

Mehr zum Thema Luchs, deren Besiedelung in Österreich, Sichtungen oder zu den diversen Schutzprojekten finden Sie auf der Internetseite des OÖ Landesjagdverbandes http://www.ooeljv.at/wild-und-natur/jagdbare-tierarten-2/haar-raubwild/luchs/ oder auch unter http://luchs.boehmerwaldnatur.at/

Schlagworte: Abschuss, Artenschutz, Jäger, Luchs, Nationalpark, Pinselohr
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