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Frühlingsbeginn: Helfen Sie uns, die Jungtiere zu schützen

Die ersten warmen Tage haben ihn bereits angekündigt und am 21. März war es dann soweit: Der Frühling hat begonnen. Die Tage werden nun wieder länger, das Wetter wärmer und die Wiesen und Felder erwachen zu neuem Leben. Zeit für Naturliebhaber, die Wälder und Wiesen, also die Lebensräume unserer Wildtiere, wieder aktiver zu nutzen. Dass es bereits jetzt Jungtiere, Jungwild und auch kleine Feldhäschen – sogenannte „Fäustlinge“ – gibt, ist den Naturnutzern oft nicht bewusst. Für den Nachwuchs zählt vor allem Ruhe – ein gut gemeintes Streicheln oder gar ein Wegnehmen vom Nistplatz ist im Sinne des Tierschutzes zu unterlassen.

 

Feldhäschen und Eier: Auch unbeaufsichtigt noch lang nicht verlassen

AuerhuhnkückenSind die Mütter – egal ob bei Feldhasen, Rehen oder Enten – abwesend, heißt dies noch lange nicht, dass die Jungtiere oder Eier endgültig verlassen wurden. Die meisten Jungen sind es gewöhnt, dass die Muttertiere sie mehrere Stunden alleine lassen, um selbst auf Nahrungssuche zu gehen oder Fressfeinde von den Kleinen fernzuhalten. Junge Feldhasen werden beispielsweise nur ein- bis zweimal in 24 Stunden vom Muttertier aufgesucht.

Auch das Nest von Wildenten oder anderem Federwild sollte nicht berührt oder gar von nächster Nähe beobachtet werden. Der Grund: Die Mutter beobachtet die Eindringlinge und traut sich nicht mehr zum Nest. Dadurch kühlen die Eier aus und die Küken sterben unter Umständen.

 

Falsch verstandener Tierschutz – nämlich das Berühren, Wegtragen oder auch nur das Anfüttern – kann dazu führen, dass die Mutter die Jungtiere, wenn menschlicher Geruch anhaftet, verstößt. Gerade menschliches Eingreifen oder sogar Rettungsversuche enden für die Tiere oft nur in unnötigem Stress oder sogar im Tod. Sollten Sie oder Ihre Kinder Jungtiere unabsichtlich berührt oder gar mit nach Hause genommen haben, kann man versuchen, das Tier wieder dorthin zu bringen, wo es gefunden wurde. In diesem Fall sollten Sie es mit frischem Gras vorsichtig abreiben. Im Zweifelsfall bietet sich stets die Möglichkeit, einen lokalen Jäger oder eine Jägerin zu kontaktieren.

 

Zwischenfälle vermeiden: Hunde an die Leine

Der OÖ Landesjagdverband und dessen Jägerinnen und Jäger richten sich hiermit an die Hundehalter, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Selbst wohlerzogene Hunde vergessen die guten Manieren, wenn ihr Jagdinstinkt geweckt wird. Aufgeschreckte und gehetzte Wildtiere laufen auf Straßen und können Unfälle verursachen. Ein trächtiges Reh kann sogar im Schockzustand das Kitz verlieren.

 

Checkliste für Naturliebhaber, die im Frühling in den Wald gehen wollen:

  • Abstand von Wildtieren halten
  • Leise verhalten
  • Auf den Wegen bleiben
  • Hunde an die Leine

Finden Sie tatsächlich ein verletztes Jung- oder gar Muttertier, so bitten wir Sie, sich an den lokalen Jäger oder den OÖ Landesjagdverband zu wenden. Berühren Sie das Tier nicht und gönnen Sie ihnen Ruhe – auch während des Tages. Der OÖ LJV und die oberösterreichischen Jägerinnen und Jäger bedanken sich für Ihre Vor- und Rücksicht!

Junghase

Scheue Jägerin: Die Wildkatze

Sie lebt im Verborgenen, ist scheu und jagt meist nachts: Die Rede ist von der Wildkatze. Spricht man von dieser, denken viele wohl zuerst an eine verwilderte Hauskatze. Dass aber die Wildkatze wirklich eine eigene Tierart ist, wissen die wenigsten. Wohl auch deswegen, weil dieses Tier in Österreich größtenteils als verschollen gilt.

 

Ursprünglich war die Europäische Wildkatze über weite Teile Österreichs verbreitet. Mitte des letzten Jahrhunderts verschwand diese Tierart aber von der Bildfläche: Falsche Annahmen über die Lebensweise der Wildkatzen führten zur Ausrottung. Mittlerweile beginnen sich die Bestände in Österreich langsam aber wieder zu erholen.

Zurückgezogene Lebensweise

Tagsüber schläft sie, erst in der Dämmerung und nachts begibt sich die Wildkatze auf die Pirsch. Sie jagt grundsätzlich Tiere, die kleiner sind als sie selbst. Ins Beuteschema fallen daher typischerweise Wühl- und Waldmäuse. Auf dem Speiseplan stehen aber auch Ratten, Vögel, Fische und Insekten –  in Notzeiten greift das scheue Tier auch auf Aas zurück. Oberösterreichisches Wild – beispielsweise Reh(-kitze) – sind für die Wildkatze, wie im vorigen Jahrhundert angenommen, nicht interessant. Ab und zu wird wohl ein Feldhase, ein Fasan oder Rebhuhn erbeutet, aber nennenswerte Verluste durch die Wildkatze sind eher nicht zu verzeichnen.

 

Die Wildkatze hat besondere Ansprüche an ihren Lebensraum: Sie bevorzugt aufgrund ihrer scheuen Natur zusammenhängende Laub- und Laubmischwälder, die ein gemäßigt kontinentales bis mediterran warmes Klima aufweisen. Dichtes Gebüsch und angrenzende Wiesen zählen auch zum bevorzugten Lebensraum des Tieres. Wildkatzen, manchmal auch Waldkatzen genannt, ist es vor allem wichtig, Wälder mit komplexen Strukturen zu besiedeln. So findet sie die benötigten Rückzugsmöglichkeiten sowie versteckte Aufzuchtsplätze für ihre Jungen vor.

Wildkatzen bringen ein- bis zweimal pro Jahr zwischen März und Mai zwei bis vier Junge in einem sicheren Versteck zur Welt. Sind die Jungtiere drei Monate alt, beginnt das Muttertier ihren Nachwuchs mit auf die Pirsch zu nehmen. Mit sechs Monaten verlässt der Nachwuchs die Mutter.

Wildkatze_Verena Radler

Foto: Verena Radler

Verwechslungsgefahr: Wild- oder Hauskatze?

Die Wildkatze stammt nicht etwa von der Hauskatze – die damals von den Römern aus Afrika mitgebracht wurde – ab, sondern geht auf europäische Wurzeln zurück. Die Unterscheidung der beiden Tierarten ist aber selbst für Experten manchmal schwierig. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sind:

 

MerkmalWildkatzeHauskatze
FellDichtes, dickes Fell; grau mit ockerfarbenem Tonverschieden
KörperbauBreiter, wuchtiger Kopf; dicke LäufeSchlank wirkend
SchwanzBuschig, sehr lang, schwarze Ringekurzhaarig
NasefleischfarbenMeist dunkler
KopfformBreite Schnauzenform, engstehende AugenSchlanke Schnauzenregion

Titelfoto: Josef Limberger

Die Überwinterungsstrategien der heimischen Wildtiere

In Oberösterreichs Wäldern sieht man auch im Winter heimisches Reh- und Rotwild, Wildschweine, Füchse und Feldhasen – doch einige andere Wildtierarten verschwinden gerade in der kalten Jahreszeit von der Bildfläche. Insekten, Eichhörnchen oder Murmeltiere ziehen sich zum Beispiel in verschiedene Überwinterungsarten – wie etwa die Winterstarre, der Winterschlaf oder die Winterruhe – zurück. Wieso sich manche Tiere in die genannten Ruhephasen begeben, konnte bis heute wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt werden. Fest steht, dass es nicht nur an der Tageslänge oder dem im Winter vorherrschenden Nahrungsmangel liegt, sondern viel eher an der „inneren“ Uhr sowie hormonellen Schwankungen.

Winterschlaf

Als wohl bekannteste Überwinterungsstrategie gilt der Winterschlaf. Kleine Säugetiere fressen sich im Herbst Energiereserven an, ehe ihre innere Uhr ihnen vorgibt, sich Verstecke zum Überwintern – wie beispielsweise Laubhaufen, Höhlen oder Dächer – suchen. Ist die perfekte Unterkunft gefunden, so werden bestimmte Körperfunktionen zurückgefahren. Die Körpertemperatur sinkt  und passt sich der Umgebungstemperatur an. Zudem wird der Stoffwechsel stark verlangsamt, der Rhythmus des Herzschlages und die Atemfrequenz deutlich verringert. Die Tiere laufen dennoch nicht Gefahr, zu sterben: Aufgrund der vorangegangenen Feistzeit haben die Winterschläfer genügend Fettreserven, um durch den Winter zu kommen.

Wer glaubt, dass die Tiere den ganzen Winter komaartig durchschlafen, der irrt: Manchmal wachen die Tiere auf, um nach Nahrung zu suchen oder zu urinieren bzw. zu koten. Nach dem Winterschlaf sind die Tiere selbst in der Lage, ihre Körperfunktionen selbst wieder zu aktivieren. Die Dauer des Winterschlafes entscheidet die innere Uhr der Tiere.

Beispiele: Fledermäuse, Murmeltiere, Haselmäuse, Spitzmäuse, Siebenschläfer, Igel

Übrigens: Auch Haustiere – wie beispielsweise der Hamster – halten Winterschlaf.

Winterruhe

Auch bei der Winterruhe drosseln die Wildtiere ebenfalls ihre Körperfunktionen auf ein Minimum und ziehen sich in passende Verstecke – wie Höhlen oder gar Dachböden – zurück.  Die Tiere legen Ruhe- und Schlafphasen ein, die durch häufige Nahrungssuchen unterbrochen werden. Der Unterschied zum Winterschlaf: Die Körpertemperatur der Wildtiere bleibt gleich, während sich Herzschlag und Atemfrequenz leicht senken. In ihren Verstecken bleiben sie fünf bis sieben Monate, ehe die Tiere wieder aufwachen. Beim Aufwachprozess sind sie also wieder schnell auf den Beinen.

Beispiele: Bären, Dachs, Eichhörnchen, Biber

Schon gewusst? Die Sommerruhe ist ein ähnliches Phänomen wie die Winterruhe. Bei dieser senken die Tiere, welche meist in den Tropengebieten leben, ebenfalls ihre Stoffwechselfunktionen ab. Bei Wassermangel begeben sich beispielsweise Weinbergschnecken in die Sommerruhe.

Winterstarre

Ohne Frage ist die Winterstarre die „Intensivste“ der drei Überwinterungsarten. Dabei erstarren die meist wechselwarmen Tiere im wahrsten Sinne des Wortes – sie „schlafen“ also während der gesamten kalten Jahreszeit. Wie beim Winterschlaf, passt sich ihre Körpertemperatur der Umgebung an. Das Besondere an der Winterstarre: Tiere in der Winterstarre können – ganz im Gegensatz zu Tieren im Winterschlaf – auch mit Minusgraden umgehen. Biologisch ist dies möglich, da diese Tiere eine Art „Frostschutzmittel“ eingebaut haben. Die Tiere wachen auch nicht selbstständig auf; erst durch die Sonne bzw. durch steigende Temperaturen können sie sich von der Winterstarre befreien.

Beispiele: Amphibien, Insekten, Eidechsen, Fische, Schildkröten

Ruhe- und Rückzugsbereiche der Wildtiere respektieren

Der Lebensraum der Wildtiere wird von den Menschen durch diverse Aktivitäten immer mehr genutzt. Daher bittet der OÖ Landesjagdverband im Namen der gesamten Jägerschaft alle Sportbegeisterten und Naturliebhaber während der Wintermonate besonders auf die Ruhe- und Rückzugsbereiche der Wildtiere zu achten und diese zu meiden.

Die Wildtiere haben meistens gute Verstecke; sollten sie doch gefunden bzw. geweckt werden, so kostet das viel Energie. Ein Aufwachen kann sogar den Tod der Tiere bedeuten.

Die Bereiche, wo Ruhe besonders wichtig ist, sind beispielsweise Fütterungen (für Rehe und Hirsche sowie mancherorts Feldhasen) und Gebiete, wo Tiere wie Hasen, Gämsen, Birk-, Auer- und Schneehühner sowie Rebhühner und Fasane ihre natürlichen Nahrungsquellen aufsuchen. Gerade in den Wintermonaten ist es wichtig, dass die Tiere nicht gestört werden, um so ihre Energiereserven bestmöglich einsetzen zu können.

Eine artgerechte Zufütterung durch die Jäger erleichtert den Wildtieren das Überleben

Mit einer ordentlichen und artgerechten Wildtierfütterung bietet die oö. Jägerschaft eine wichtige Unterstützung. Dabei geht es maßgeblich um den jagdlichen Tierschutzgedanken, jagdrechtliche Aspekte, aber auch um die gezielte Lenkung von Wildtieren zur Vermeidung von Wildschäden.

So können Sie heimische Überwinterer unterstützen

Sollten Sie Ihren Gartenbewohnern einen Unterschlupf für den Winter bieten wollen, ist es wichtig, den Tieren einen naturnahen Zufluchtsort zu bieten. So sind für Igel beispielsweise Laubhaufen ideal und Eichhörnchen finden während ihrer Winterruhe in Baumhöhlen Zuflucht. Insekten wird der Winter beispielsweise mit eigenen Insektenhäusern erleichtert.

Die Winterruhe im Revier

Ruhezeit für das Wild

Der Winter ist eingekehrt und hat Österreich fest im Griff. Gerade dann, wenn für das heimische Wild die Notzeit in der Kulturlandschaft mit Schnee und Eis anbricht, gewinnt die Hege der Jägerinnen und Jäger eine besondere Bedeutung. Die Jägerschaft kümmert sich um das heimische Wild und deren Lebensräume, und trägt in Zusammenarbeit mit den Landwirten in der Ausübung der Wildhege und -pflege sowie der Eindämmung von Wildschäden eine große Verantwortung für den Natur- und Tierschutz.

 

Bitte keine Störung der Ruhephasen

In der Evolution haben sich Reh, Hase und Co. so entwickelt, dass sie in der kalten Jahreszeit überleben können. Für Wildtiere sind die Wintermonate eine Zeit, in der sie ihre Energiereserven bestmöglich einsetzen müssen. Viele der heimischen Tiere sind daher „Energiesparer“, wie unter anderem das Rotwild. Im Winter fahren die Tiere ihren Stoffwechsel so weit herunter, dass die körpereigene „Heizung“ auf Sparflamme läuft. Bei den derzeitigen Verhältnissen kommt es durchaus vor, dass Rotwild, aber auch andere größere Wildarten täglich für einige Stunden in eine temporäre Kältestarre fallen, um den Energieverbrauch zu reduzieren.

 

Um in den kalten Wintertagen überleben zu können, drosseln die Tiere ihre Körpertemperatur, ihren Herzschlag und ihre Atmung. Anstatt 60 bis 70 Mal pro Minute schlägt das Herz lediglich 30 bis 40 Mal. Auch das Nahrungsangebot im Winter ist weniger energiereich und knapper als im Frühjahr oder Sommer. Um bei der kargen Nahrung überleben zu können, passt sich auch die Verdauung an die winterlichen Lebensumstände an und fasst um 60 Prozent weniger als in der nahrungsreichen Zeit.

Winterreh_Ch. Böck

Fütterung im Winter notwendig

Da Gräser, Kräuter oder Flechten bei Schnee nur sehr schwer zu finden sind, stellt die Jägerschaft den heimischen Wildtieren im Winter Futter in Trögen oder Krippen zur Verfügung. Diese wichtige Aufgabe sollte regelmäßig so erfolgen, dass das Futtermittel niemals knapp wird und das Überleben der Populationen in den meist schneereichen Wintermonaten gewährleistet ist. Das Wichtigste ist eine artgerechte Fütterung. Falsches Futter kann für Reh, Hase und Co. hingegen  lebensgefährlich werden. Denn Fütterungs- und Futterfehler können zum Tod der Wildtiere führen. Durch zum Beispiel altes Brot oder Küchenabfälle, die Leute gutgläubig in den Wald bringen, wird die Verdauung von Rehen und Hirschen enorm beeinträchtigt und die Tiere werden krank. Es wird nicht gefüttert, sondern vergiftet!

 

Die oberösterreichischen Jägerinnen und Jäger sind neben dem Schutz des Wildes in Notzeiten, diese kann auch im Sommer bei enormer Hitze sein, auch sehr auf den Schutz des Waldes bedacht. Ruhe- und Rückzugsbereiche der Feld-, Wald- und Gebirgsbewohner zu respektieren, kommt nicht nur den Tieren, sondern auch dem Wald zugute. Denn gerade im ausklingenden Winter kann es im Wald zu zahlreichen Wildschäden an jungen Bäumen kommen.

 

Wildtiere brauchen im Winter Unterstützung

In unserer Kulturlandschaft und dem regen Miteinander im natürlichen Lebensumfeld der Wildtiere ist für uns Menschen unerlässlich, es ihnen nicht noch zusätzlich schwer zu machen. Der Lebensraum der Wildtiere wird von den Menschen durch Aktivitäten wie Skitourenlauf, Langlauf oder Schneeschuhwandern immer mehr und immer intensiver genützt. Wird durch das Eindringen in die Lebensräume der Tiere die Winterruhe gestört, brauchen die Tiere viel Kraft und Energie, um wegzulaufen. Beim Flüchten kann es dann zudem vorkommen, dass sich die Wildtiere an den schroffen Eis- und Schneeflächen die Läufe und Pfoten verletzen.

 

Die Jägerschaft appelliert daher besonders im Winter an das Bewusstsein der Bevölkerung:

  • Bitte bleiben Sie beim Schlittenfahren und beim Spaziergang durch den Wald und v.a. am Waldrand oder entlang von Hecken auf den ausgewiesenen Wegen und Routen.
  • Leinen Sie Ihre vierbeinigen Freunde in diesen Bereichen an und
  • blieben Sie in den Morgen-, Abend- und Nachstunden diesen Lebensräumen fern,

damit das Wild seinen natürlichen Gewohnheiten nachgehen kann.

 

 

Mehr zum Thema finden Sie auf der Internetseite des OÖ Landesjagdverbandes unter http://www.ooeljv.at/wild-und-natur/jagd-naturschutz/

 

Das Jagdsystem erklärt: Wer darf wo jagen?

Dürfen Jäger eigentlich überall jagen? Darf ein Jäger auch in meinem Garten jagen? Vielleicht haben Sie sich diese oder ähnliche Fragen bereits selbst gestellt. In diesem Blogbeitrag erklärt Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner das System der Jagd in Oberösterreich.

Jagen in Oberösterreich ist kein Privileg. Die Voraussetzung dafür ist der Besitz einer gültigen oberösterreichischen Jagdkarte. Um diese zu erlangen, muss der Nachweis eines entsprechenden theoretischen und praktischen Wissens über Jagdrecht, Wildkunde, Wildökologie und Grundzüge der Land- und Forstwirtschaft, Waffen- und Schießkunde, Jagdhunde, angewandter Naturschutz usw. erbracht werden.

Das Jagdrecht erfließt aus dem Grundeigentum und ist mit diesem verbunden. Jagdberechtigte sind also alle Grundbesitzer mit einem land- und forstwirtschaftlichen Einheitswert. Wenn diese aber nicht selbst berechtigt sind die Jagd auszuüben, muss das Jagdgebiet verpachtet werden. Die Pächter (Jagdausübungsberechtigte) müssen dann jährlich Jagdpacht an den Grundeigentümer entrichten.
Die Jagdgebiete sind eingeteilt in Eigen- und Genossenschaftsjagden. Die Grundstücke eines Gemeindegebietes, die nicht zu einer Eigenjagd gehören, bilden abzüglich z.B. von landwirtschaftlichen Wildgehegen das genossenschaftliche Jagdgebiet. Es gibt auch Orte an denen die Jagd ruht: z.B. auf Friedhöfen, öffentlichen Anlagen (Parks), in Gebäuden, Werksanlagen, Höfen und Hausgärten, die durch eine Umfriedung (Mauer, Zaun) abgeschlossen sind.

 

Darf der Jäger auch in meinem Garten jagen?
Grundsätzlich darf keine Jägerin bzw. kein Jäger einfach Ihren umfriedeten (eingezäunten) Hausgarten betreten, um Wild zu jagen. Ist dies aus ganz bestimmten Gründen jedoch einmal erforderlich bzw. notwendig, so tritt der zuständige Revierjäger im Vorfeld an den Grundbesitzer heran und sucht das Gespräch, um zu einer gemeinsamen Lösung zu gelangen.

Anders sieht es bei eingezäunten Weideflächen aus, diese Zäune dürfen schon übertreten werden, um darin zu jagen. Natürlich nur, wenn dadurch keine Menschen oder Nutztiere gefährdet werden, denn die Sicherheit geht immer vor.

 

Wie groß ist das Revier eines Jägers?
Es hängt von der Größe des Jagdgebietes ab, wie viele Jäger darauf jagen. Je größer die Jagdgebiete, desto mehr Jäger werden natürlich dafür benötigt; die Anzahl der Jagdpächter ist aber gesetzlich begrenzt. Eigenjagden müssen mindestens eine Fläche von 115 Hektar aufweisen. Genossenschaftliche Jagdgebiete reichen bis zu mehreren tausend Hektar Fläche.

 

Woher wissen Jäger, wie viel Wild sie erlegen dürfen?
Prinzipiell gilt der Grundsatz der nachhaltigen Jagd! In den letzten 100 Jahren ist keine Tierart durch die Bejagung verschwunden! Für wiederkäuende Huftierarten wie Rehe oder Hirsche gibt es von der Behörde gesetzlich festgelegte Abschusspläne. Jedes Jahr gegen Ende des Winters bzw. Beginn des Frühlings findet eine gemeinsame Begehung mit Vertretern der Grundbesitzer und der Jägerschaft sowie des Forstdienstes der Bezirksverwaltungsbehörde statt. Dabei werden sog. Vergleichs- und Weiserflächen begutachtet und anhand des Waldzustandes dann der Abschussplan für das kommende Jagdjahr erstellt. Wie viel Wild in einem Jagdgebiet erlegt werden muss, hängt also mit dem Zustand der Vegetation zusammen. Die Jägerschaft ist gesetzlich dazu verpflichtet, diese Mindestpläne zum Schutz der Natur, aber auch des Wildes einzuhalten.

 

Darf ich selbst im Garten oder im benachbarten Wald jagen?
Hier ist die Antwort ein klares Nein. Um die Jagd ausüben zu dürfen, muss man im Besitz einer gültigen Jagdkarte sein. Allerdings darf der Besitzer in seinen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie in umfriedeten Hausgärten sogenanntes schädliches Wild (wie Füchse, Marder, Iltisse und große Wiesel) fangen und/oder töten, wenn sonst Schäden an seinem Eigentum entstehen könnten.

 

Sie haben Fragen zur Jagd!? Wir freuen uns über Anfragen über die Website unter https://www.fragen-zur-jagd.at/kontakt-impressum/

Ein Tag mit dem Jäger im Revier

Natur erleben – Die Jagd von klein auf verstehen lernen – Im Wald fürs Leben lernen

In Österreich sind ungefähr 45.000 Tierarten und circa 30.000 Pflanzenarten heimisch. Nachdem fast die Hälfte –  nämlich 47,6% – des österreichischen Bundesgebietes  mit Wald bedeckt ist, bietet dieser einem Großteil der beheimateten Tiere und Pflanzen den benötigten Lebensraum. Dass dem Wald daher eine sehr wichtige Rolle in unserem Ökosystem zukommt, sollte auch die jüngste Generation wissen. Nicht nur für einige Jägerinnen und Jäger – sondern für viele, denen der Wald einen Arbeitsplatz oder eine Freizeitbeschäftigung bietet – ist es wichtig, Kindern ein Naturverständnis zu vermitteln.

 

Bewusstsein für die Natur entwickeln

Reviertag mit Jäger Peter GründlingDie einen sind schon von Kleinkind an mit Papa oder Mama am Hochstand mit dabei und können es nicht mehr erwarten, selbst die Jagdprüfung abzulegen. Die anderen wiederum kommen selbst eher selten in die Natur raus.  Dabei ist es sehr wichtig, Kinder ihre Umwelt und auch die Jagd entdecken und erfahren zu lassen. Nicht zuletzt, um ihr Verständnis und ihre Toleranz gegenüber unserem komplexen Ökosystem zu steigern. Beim Reviergang mit einem Jäger der Ortschaft werden bewusst spielerisch alle Sinne geschärft, denn die Natur kann man nicht nur sehen, sondern auch riechen, hören und spüren. Natürlich kann man Natur auch schmecken. Und das in vielen Lebensmitteln, die es im Supermarkt zu kaufen gibt. Es ist unter anderem wichtig, den Kindern die Natur als lebensnotwendige Ressource für die darin vorkommenden Tiere und Pflanzen und in weiterer Folge für uns Menschen zu veranschaulichen. Deswegen müssen bereits die Jüngsten unserer Gesellschaft lernen, damit verantwortungsvoll umzugehen. Der Jäger als Teil einer Ortsgemeinschaft spielt dabei keine geringe Rolle, wenn es darum geht, Wissen und Verhaltensnormen rund um Wild, Wald und Wiese zu vermitteln. Dazu zählen auch Dinge, wie keinen Müll zu hinterlassen, im Winter nicht abseits der Pisten zu fahren oder abends nicht mit Rädern durch den Wald zu brausen.

 

 

Den Kindern Wald und Wild näher bringen

Viele Jägerschaften in Oberösterreich bieten jährlich in den Sommerferien für Kinder aller Altersstufen einen Reviergang an. Am Treffpunkt werden die Kinder oft durch Jagdhornbläser musikalisch begrüßt. Anschließend folgen kurze Erklärungen zum allgemeinen Verhalten in Wald und Flur, um endlich „lospirschen“ zu können. An unterschiedlichsten Stationen werden spielerisch, anschaulich und verständlich viele Themen und Fragen rund um die Jagd, den Wald, die Wildtiere und die Natur erklärt. Beliebte Fragen bei den Kids sind: Was macht eigentlich ein Jäger? Wer darf überhaupt jagen? Welche Tiere leben bei uns in Wald und Flur? Welche Funktionen hat der Wald? Wem gehört der Wald? Warum sind Jäger auch Naturschützer? Wie kann jeder zum Naturschutz seinen Beitrag leisten? …

 

Fragen Sie doch Ihre örtliche Jägerschaft, ob und wann Reviergänge angeboten werden. Den zuständigen Jagdleiter können Sie auf dem Gemeindeamt oder beim OÖ Landesjagdverband unter erbitten.

Achtung Wildwechsel: Wildunfälle vermeiden

Laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit ereignen sich in Oberösterreich jährlich über 15.000 Unfälle mit Wildtieren – oder anders gesagt, alle 36 Minuten kollidiert ein Fahrzeug mit heimischem Wild. Nicht nur im Frühling sind Wildunfälle ein großes Thema, sondern auch gerade jetzt im Herbst. Gerade in der jetzigen Jahreszeit sind die Straßen oftmals nicht nur rutschig, sondern auch die Sicht durch Nebel und Regen sehr eingeschränkt. Aufgrund der kürzer werdenden Tage wird es früher dunkler und die Zeitumstellung spielt eine große Rolle: Wildtiere kreuzen oft um dieselbe Uhrzeit die Straße. Das heißt, dass die Tiere sich vor der Zeitumstellung an das Verkehrsaufkommen angepasst haben und die Straßenseiten meist wechseln, wenn weniger Verkehr ist. Verschiebt sich die Zeit eine Stunde nach hinten, so kreuzen die Wildtiere oftmals genau in der Hauptverkehrszeit die Straßen. Dadurch kommt es unter anderem in der Morgen- als auch in der Abenddämmerung vermehrt zu Unfällen.

Vor allem für Rehe, Feldhasen und Fasane – jene Wildarten, die am häufigsten unter die Räder kommen – ändern sich im Herbst die Lebensräume. Auch Äsungsflächen, also Nahrungsplätze, sind plötzlich in anderen Bereichen für unsere heimischen Wildtiere zu finden. Aufgrund dessen überquert das Wild nun vermehrt die Straßen.

Feldhase nach Verkehrunfall

Was kann man nun als Autofahrer tun, um Wildunfälle bestmöglich zu vermeiden?

Um Wildunfälle zu vermeiden, gilt es, die bekannten Warnzeichen „Achtung, Wildwechsel!“ zu beachten. Besondere Aufmerksamkeit ist auf den Straßen entlang von Waldrändern und hohen Feldern geboten. Auch eine angepasste Geschwindigkeit sowie eine vorausschauende und bremsbereite Fahrweise helfen, Kollisionen zu vermeiden. Ausreichend Abstand zum Vorderfahrzeug einzuhalten sorgt zudem für mehr Zeit bei einem möglichen Bremsvorgang.

 

Achtung: Wild quert selten einzeln die Straße, dem ersten Tier folgen meist weitere. Fahren Sie also nach Auftauchen eines Wildtieres langsam und stets bremsbereit.

 

  

Wie soll ich mich verhalten, wenn Wild auf die Straße springt?

Zuerst ist es wichtig, das Gas wegzunehmen, abzublenden und mehrmals kurz die Hupe zu betätigen. Auf keinen Fall darf die Lichthupe verwendet werden, da man mit den Scheinwerfern die Tiere irritiert und diese somit vor Schreck stehen bleiben. Wenn es die Verkehrssituation zulässt, sollte abgebremst werden. Riskante Ausweichmanöver oder abrupte Vollbremsungen sind unbedingt zu vermeiden, da die größte Gefahr durch das Verreißen des Fahrzeuges droht.

Gut zu wissen:  Die gewaltigen Kräfte, die bei einer Kollision mit Wild auf das Fahrzeug einwirken, werden häufig unterschätzt. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Das Aufprallgewicht eines Wildschweins mit 80 kg Körpergewicht auf ein 50 km/h schnelles Auto beträgt 2.000 kg, also 2 Tonnen! Ein Reh bringt es auf immerhin auch noch 800 kg!


Kommt es trotzdem zu einer Kollision, muss wie bei jedem anderen Unfall reagiert werden:

Warnblinker einschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen und gegebenenfalls Verletzte versorgen. Die Polizei muss auf jeden Fall verständigt werden. Wer dies verabsäumt, macht sich wegen Nichtmeldens eines Sachschadens strafbar und bekommt mitunter auch keinen Schadenersatz durch die Versicherung. Selbst wenn das Tier nur angefahren wurde und noch weglaufen konnte, muss die Polizei verständigt werden. Diese kontaktiert dann die zuständige, örtliche Jägerschaft, die sich – sofern notwendig – mit einem Jagdhund auf die Suche nach dem Tier macht, um es gegebenenfalls von seinem Leid zu erlösen. Keinesfalls darf getötetes Wild mitgenommen werden. Dies gilt als Wilderei und ist strafbar!

 

Interaktive Karte Doris hilft, Unfälle zu vermeiden
Um Wildunfälle zu dokumentieren und in der Folge vorzubeugen, hat das Land Oberösterreich eine interaktive Karte in ihrem Serviceportal „Doris“ ins Leben gerufen. Auf dieser Karte ist Oberösterreichs Unfallstatistik – inklusive aller Wildunfälle – erfasst. Autofahrerinnen und Autofahrer können somit leicht erkennen, ob und wo auf den von ihnen gefahrenen Strecken vermehrt Wildunfälle passieren. Finden können Sie die Karte unter www.doris.at/themen/verkehr/unfall.aspx

Diagnose Marderbiss: Wieso beißen Marder in Autokabel?

Eigentlich sehen sie ja ganz putzig aus. Leider haben sie eine eigenartige Vorliebe, die so manchen Menschen zur Weißglut bringen: Sie zerbeißen Autokabeln sowie -schläuche und verursachen dadurch oftmals Schäden an Fahrzeugen. Die Rede ist von Mardern.

 

In den vergangenen Jahren hat es nicht nur vermehrt Wildschweine, Rehe und Waschbären, Rabenkrähen und Ringeltauben in Oberösterreichs Städte verschlagen, sondern eben auch die Steinmarder. Diese haben die Scheu vor menschlichen Behausungen und eben Fahrzeugen mittlerweile beinahe ganz abgelegt und so ist es kein Zufall, dass diese sogenannten Kulturfolger oft in Garagen oder Dachböden leben und für Unruhe sorgen.

 

Doch wieso beißen Marder überhaupt in Autokabeln?
Marder Motorhaube, ÖAMTCViele Marder suchen Unterschlupf in KFZ, denn sie finden das Ambiente im Auto toll: Dort ist es gerade in den kalten Jahreszeiten warm, erholen sich dort idealerweise und finden Schutz.

Entgegen des weit verbreiteten Glaubens, dass die frechen Räuber die Kabeln aus Lust am Plastik anknabbern, hängt das Anknabbern der Kabel mit der Biologie der Tiere zusammen: Einerseits sind die Tierchen neugierig und andererseits weisen Marder aufgrund ihres Sozialverhaltens einige Eigenheiten auf. So findet die Paarungszeit dieser Tierart von Juni bis August statt; das ist genau die Zeit, wo beim OÖ Landesjagdverband (OÖ LJV) viele Anrufe dahingehend eingehen. Die Tiere hinterlassen nämlich Duftmarken, die andere Marder insbesondere zur Paarungszeit aggressiv machen. Um ihr Revier zu verteidigen, beschädigen sie dann Kabel, Schläuche und andere Kunststoffteile durch regelrechte Beißattacken.

 

Wie vermeide ich nun jene ungewollten Gäste?

Oft richten Marder nicht nur beim Auto Schäden an, sondern auch am Dachboden in Form von Kot- und Urin-Ansammlung oder Beutereste. Leben die kleinen Vierbeiner in Ihrem Haus, kann dies zudem oftmals zu einer ungewollten Lautstärke führen. Ob Auto oder Dachboden, ich gebe Ihnen einige Tipps zum Verjagen der Marder:

  1. Sich das natürliche Verhalten der Tiere zu Nutze machen:
    Da Marder mit einem sehr empfindlichen Gehör ausgestattet sind, kann ein Ultraschallgerät in vielen Fällen eine Lösung sein. Obwohl wissenschaftlich nicht bewiesen, sorgt die störende Frequenz oft dafür, dass die Tiere ihre Unterkunft verlassen.
  2. Vergrämungsmethoden:
    Eine andere Lösung könnte ein Stück engmaschiger Drahtzaun sein, den man unter den Motorbereich des Autos legt. Marder fühlen sich unwohl, wenn sie diesen betreten müssen. Auch eine Dauerbeschallung mittels Radio, das Durchstreifen desselben durch einen Hund (kann auch ein „Gasthund“ sein) oder das komplette Verändern des Dachbodens kann zu einer Besserung führen.
  3. Menschlicher Jäger:
    Sollten die oben genannten Tipps noch immer nicht zum Erfolg führen, so empfiehlt der OÖ LJV, sich an den örtlichen Jäger oder die örtliche Jägerin zu wenden. Dieser oder diese steht Ihnen unterstützend zur Seite. Unter ooeljv.at finden Sie die Kontaktdaten des Sekretariats, das Ihnen gerne den Kontakt der zuständigen Jagdleitung mitteilt.

 

Im Interview: Der Landesjägermeister über seine Aufgaben

Im April wurde Herbert Sieghartsleitner zum neuen oberösterreichischen Landesjägermeister gewählt. Der 54-Jährige, der seit über 36 Jahren die Jagd ausübt und von 2013 bis 2019 stellvertretender Landesjägermeister war, beantwortet in einem Interview Fragen zu seinem nunmehrigen Aufgabenbereich.

 

Lieber Herr Landesjägermeister Sieghartsleitner, was ist Ihre Hauptaufgabe als Landesjägermeister?

Gemeinsam mit meinen Stellvertretern BJM Ing. Volkmar Angermeier und Ing. Andreas Gasselsberger, dem Delegierten des Bezirkes Ried, repräsentiere ich in der Rolle des Landesjägermeisters für die nächsten sechs Jahre den OÖ. Landesjagdverband und dessen rund 19.400 aktive Jägerinnen und Jäger nach außen. Dieser repräsentativen und auch fachlichen Aufgabe komme ich bei zahlreichen Veranstaltungsbesuchen, Verhandlungen, Besprechungen etc. meist täglich nach.

Welche Dinge fallen dabei in Ihren Aufgabenbereich?

Grundsätzlich verantworte ich neben der Repräsentation der gesamten Jägerschaft Oberösterreichs zahlreiche Aufgaben wie beispielsweise den Vorsitz des Vorstands des OÖ. Landesjagdverbandes, bei Landesjagdausschusssitzungen, dem höchsten Gremium des OÖ LJV, und im Landesjagdbeirat. Ich leite zudem die Geschäfte mit Hilfe des Geschäftsführers Mag. Christopher Böck und vollziehe die Beschlüsse des Landesjagdausschusses und des Vorstandes.

 

Meine Aufgabenbereiche sind weitreichend und mit vielen Beteiligten vernetzt. Eine meiner Kernaufgaben ist bestimmt die bestmögliche Abstimmung mit Grundeigentümern, also den Land- und Forstwirten, deren Vertretung in der Landwirtschaftskammer und unseren politischen Verantwortungsträgern. Themenbereiche wie Öffentlichkeitsarbeit sowie Aus- und Weiterbildung werden mich in den nächsten Jahren besonders beschäftigen.

 

 

 

Welche Ziele haben Sie sich in Ihrer Amtszeit gesetzt?

Meine klare Zielsetzung ist, die vielfältigen und großartigen Leistungen der Jägerschaft als besonderen Wert für die Gesellschaft zu benennen und damit das Ansehen der Jagd und jenes der Jägerinnen und Jäger zu stärken. Denn die Jagd ist nicht nur unsere große Leidenschaft, sondern auch ein wichtiger Beitrag für die Allgemeinheit. Besonders wichtig ist mir dabei, den Dialog zur nichtjagenden Bevölkerung zu intensivieren und den Wert der Jagd für unsere Gesellschaft darzustellen. Auch möchte ich die Kommunikation zwischen den Jägern fördern. Besonders am Herzen liegt mir das Thema Frauen in der Jagd. Sie haben in den letzten Jahren die Jagd intensiv mit- und neu gestaltet. Zwei weitere große Themen, die wildökologische Raumplanung und der Forst-Jagd-Dialog, gehören ebenfalls zu meinen Hauptaufgaben.

 

 

Sie haben die Themen wildökologische Raumplanung angesprochen. Worum geht es dabei konkret?

Eine große Herausforderung in den kommenden Jahren ist die Schaffung von Rückzugsgebieten für unsere Wildtiere, also eine wildökologische Raumplanung. Die OÖ. Jägerschaft beschäftigt schon länger, dass der Druck im Naturraum – der zum Teil bereits intensiven Kulturlandschaft, begrenzt ist und von dem es keinen zweiten gibt – immer weiter wächst. Neben der Jagd sowie der Land- und Forstwirtschaft gibt es natürlich auch zahlreiche andere Nutzer, die sich in der Natur bewegen. Dafür haben wir volles Verständnis. Was wir fordern, ist aber eine gewisse Ordnung. Wir brauchen diese wildökologische Raumplanung, damit der oberösterreichische Naturraum auch für die nächsten Generationen erhalten bleibt. Dafür ist ein Schulterschluss zwischen allen Naturraumnutzern und Lebensraumgestaltern erforderlich.

 

Unsere heimischen Wildtiere als auch die nachhaltige Jagd haben dann eine Zukunft, wenn sie Teil einer umfassenden Abstimmung mit allen Naturraumnutzern und Lebensraumgestaltern sind. Hierfür benötigen wir eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Grundbesitzern aus der Land- und Forstwirtschaft, Politik und uns Jägerinnen und Jägern. Für mich stellt die wildökologische Raumplanung ein Kernprojekt für die Zukunft dar. Die relativ ungestörten Lebensräume werden immer knapper, weil die Ansprüche der Menschen immer mehr werden. Wir benötigen jetzt eine geordnete Einteilung und Nutzung der Lebensräume. In zehn Jahren ist vieles zu spät.

Jagdbare Wildart: Die Wildtaube

Denkt man an Tauben, so kommen einem meistens die zahlreichen „Stadtbewohner“ in den Sinn. Gerade in größeren Städten, wie beispielsweise Linz, fallen die Vögel mitunter ungut auf. Diese fallen jedoch nicht in den Aufgabenbereich der oberösterreichischen Jägerinnen und Jäger. Die heimische Jägerschaft beschäftigt sich nämlich mit den Wildtauben.

In Oberösterreich kommen folgende vier Wildtaubenarten regelmäßig vor: Die Hohltaube, die Turteltaube, die Türkentaube und die Ringeltaube. Letztere ist die größte und ist somit für die Jagd – und die Kulinarik – am interessantesten. Was alle vier gemeinsam haben: Sie zählen zu den jagdbaren Wildtierarten, wobei Hohl- und Turteltauben aber das ganze Jahr über geschont sind.

Natürliche Verbreitung: Wo sind Tauben in Oberösterreich anzutreffen?

  1. Die Ringeltaube besiedelt Feldgehölze, kleine Wälder, Bestandsränder größerer Waldungen, Alleen und Einzelbäume. Ein wesentliches Merkmal ist das Vorhandensein von nahrungsbietenden offenen Flächen, vor allem von Äckern und Wiesen. Als Zugvogel tritt die Ringeltaube während des Zuges häufig in großen Schwärmen auf. Sie ist fast in ganz Oberösterreich anzutreffen.
  2. Die Hohltaube ist deutlich kleiner und hat einen kürzeren Stoß, also Schwanz, als die Ringeltaube. Ausschlaggebend für das Vorkommen der Hohltaube sind neben Krautfluren vor allem Wälder mit geeigneten Nisthöhlen. D.h., in unserem Wirtschaftswald ist die Hohltaube weitgehend vom Vorkommen des Schwarzspechtes abhängig, dessen Bruthöhlen sie in der Folge besiedelt. In Oberösterreich ist die Hohltaube nur in tieferen Regionen Brutvogel.
  3. Die Turteltaube, die kleinste heimische Taubenart, bewohnt die trockenwarmen Ackerbaugebiete des Tieflandes und der Hügellandschaften. In den großen Tallandschaften ist sie nur lokal Brutvogel. Die Turteltaube ist ebenso Zugvogel, der in den afrikanischen Savannengebieten überwintert.
  4. Die Türkentaube hat in den letzten 50 Jahren vom Balkan aus – ihrer ursprünglichen Heimat – ganz Mitteleuropa erobert. Als Kulturfolger ist sie eng an menschliche Siedlungen, wie Dörfer und Städte, gebunden, wo ihr das ganze Jahr über Nahrung zur Verfügung steht. Ihre einfachen Nester werden meist in Bäumen oder Sträuchern angelegt. Winter- und Frühbruten erfolgen aber oft in Nadelbäumen. In Städten brütet die Türkentaube an Gebäuden, Balkonen und Mauernischen, hat aber nichts mit den Stadttauben gemein.
Wildtauben_Ch. Böck

Foto: Ch. Böck

Jagdzeit: Wann und wieso werden Tauben überhaupt bejagt?

Bejagt werden die Ringel- und Türkentauben ab  1. September bzw. 21. Oktober bis zum 1. Februar bzw. 21. Februar des Folgejahres. Wildtauben haben einige natürliche Feinde wie Habichte, Sperber, Krähen, Elstern, Marder, Eichhörnchen, Katzen und Eulen. Die beiden Wildtaubenarten vermehren sich jedoch sehr schnell und können deshalb nachhaltig jagdlich genutzt werden. Weiters können sie auch bei zu großer Anzahl Schäden in der Landwirtschaft verursachen.

Ringeltauben brüten mehrere Male bis in den September hinein, Türkentauben bei günstigen Gelegenheiten noch länger. Bei den Ringeltauben gibt es weiters die Besonderheit der „Schachtelgelege“: Der Tauber, also die männliche Taube, kümmert sich um die unselbstständigen Jungen, während die Täubin, also die weibliche Taube, bereits das nächste Gelege ausbrütet.

Wildtauben sind äußerst köstlich und geschmackvoll und somit ein wertvoller Bestandteil des heimischen Wildbrets. Ein Rezept finden Sie unter https://www.ooeljv.at/wp-content/uploads/2018/02/Wildbretbroschüre_2.0-2019.pdf auf Seite 11.

 

TaubenartSchonzeitKennzeichenGröße und GewichtÜberwinterung
Ringeltaube1.02.-31.08.Auffallendes Flügelband, weißer Fleck an beiden Halsseiten42 cm
500 g
Westeuropa und Mittelmeergebiet; manchmal bei uns
Türkentaube21.02.-20.10.Schwarzes, halbmondförmiges Nackenband30 cm
300 g
Nirgends, da sie ein Standvogel ist
HohltaubeganzjährigGrüner Nackenfleck33 cm
250-300 g
Mittelmeergebiet
Turteltaubeganzjährigoft paarweise anzutreffen, rostrote Flügelfedern27 cm
160 g

 

Wussten Sie schon…?

Der Begriff „Turteltauben“ für verliebte Pärchen kommt von der gleichnamigen Taubenart. Turteltauben wurden in Afrika entdeckt und aufgrund dessen, dass sie in ihrer Paarungszeit immer zu zweit angetroffen wurden, als „Lovebirds“ bezeichnet.

 

Titelfoto: N. Mayr