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Wildrezept: Kotelett vom Rehrücken an getrüffelter Cremepolenta

Sie suchen ein bereits erprobtes Rezept für ein leckeres Wildbretgericht? Kein Problem – Sie sind hiermit fündig geworden. Hochwertiges Wildbret steht Ihnen – entgegen des Volksglaubens – ganzjährig zur Verfügung. Sie können dieses über Ihre örtliche Jägerin bzw. Ihren örtlichen Jäger sowie den regionalen Wildbrethandel beziehen. Es ist dabei übrigens genau so leicht zu verarbeiten und zuzubereiten wie Rindfleisch.

 

Rezept für vier Portionen:

Zutaten Koteletts:

4 Stück Rehrückenkotelett mit Knochen
1 Zweig Thymian
2 Tomaten
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
Salz, Pfeffer, Olivenöl
0,20 l Madeira

Zubereitung:

  • Rehrücken in Olivenöl beidseitig kurz scharf anbraten (ca. 2 min pro Seite) und in einer Auflaufform beiseite stellen, würzen
  • Fein gehackte Zwiebel, Knoblauch und in grobe Würfel geschnittene Tomaten im Bratenrückstand anrösten, mit Madeira ablöschen, über den Koteletten verteilen
  • Im vorgeheiztem Backrohr bei 210°C fertig braten
    Garstufen-TIPP von Sabine Gründling: ca. 10 min für medium und ca. 20 min für durch

 

Zutaten Polenta:

130 g Maisgrieß
1 kleine Zwiebel
Etwas Olivenöl
Ca. 0,40 l Milch (oder etwas mehr)
Salz, Pfeffer, Muskat
1 Handvoll Asmonte (österreichischer Parmesan)
Trüffelöl nach Belieben

Zubereitung:

  • Zwiebel fein hacken und in Olivenöl anschwitzen
  • Maisgrieß kurz mit anschwitzen und mit ungefähr der Hälfte der Milch aufgießen
  • Würzen und unter ständigem Rühren köcheln
  • Milch nach und nach zugeben bis der Grieß die gewünschte Konsistenz hat
  • ACHTUNG: ständig Rühren, denn der Grieß setzt sich leicht am Boden ab
  • Asmonte einrühren und abschmecken
  • Kurz vor dem Servieren mit Trüffelöl verfeinern

Die Portionen können Sie individuell anrichten – z. B. wie am Foto. Dann heißt es nur mehr genießen!

Kotelette vom Rehrücken_S. Gründling

Weitere köstliche Rezeptideen finden Sie unter

https://www.ooeljv.at/rund-um-die-jagd/wildbret-rezepte/

Bellen im Wald: Hund oder Reh?

Hört man im Wald ein Bellen, denkt man wohl zuerst an den treuen Begleiter des Menschen oder des Jägers im Speziellen, nämlich seinen (Jagd)Hund. Hört man ein zweites Mal genauer hin, so vernimmt man nicht das typische „Wau Wau“, sondern Laute wie „Bö Bö Bö“. Letztere stammen von Rehen und sind gerade im Frühling und Sommer häufig zu hören.

 

Wieso „bellen“ Rehe überhaupt?

In der Fachsprache der Jäger nennt man das „Bellen“ der Rehe „schrecken“. Die weiblichen Schrecklaute sind etwas leiser und höher, die der Böcke länger und tiefer, doch gar nicht so leicht zu unterscheiden. Grundsätzlich können diese speziellen Laute das ganze Jahr vernommen werden, dennoch gibt es spezielle Situationen, in denen die Rehe „bellen“. Das Schrecken kann drei Ursachen haben:

 

  1. Warnung für Artgenossen: Sieht oder hört das Rehwild etwas, ohne die Ursache zu kennen, schrecken sie schnell. Da sich potenzielle Gefahren nähern könnten, warnen Böcke und Geißen ihre Artgenossen. Im Sommer schrecken die Tiere aus diesem Grund öfter als im Winter, da im Winter die Gefahren im kahlen Wald leichter zu erkennen sind. Wenn sie in größeren Rudeln im Winter zusammenstehen, vertrauen sie außerdem auf „Wächter“, die aufpassen und die Gefahren im Auge behalten, ohne zu schrecken.

 

  1. Akustische Territoriumsabgrenzung:
    Meistens schrecken Böcke im Frühjahr, um ihr Revier abzugrenzen. Im Juli und im August findet die Brunftzeit des Rehwilds statt – daher stecken die Böcke durch das Schrecken ihr Gebiet für das Liebespiel ab. Die Weibchen hingegen „fiepen“, um durch ihren schrillen Ton einen Rehbock anzulocken.

 

  1. Krankheiten:

In seltenen Fällen kann das Schrecken auch mit Krankheiten wie beispielsweise bei Befall mit Tollwut in Verbindung stehen. In (Ober)Österreich ist dabei aber nicht zu rechnen, da unser Land seit Jahren tollwutfrei ist.

Keine Angst vor schreckenden Rehen
Schreckendes Rehwild ist grundsätzlich nicht gefährlich, will es doch nur seinen Lebensraum verteidigen. Wie immer gilt, die Grenzen der oberösterreichischen Wildtiere zu akzeptieren: Schreckt ein Reh, so sollte man leise reden oder pfeifen und weiter am Weg bleiben. Der OÖ Landesjagdverband bittet in dem Zusammenhang auch alle Hundebesitzer, die Hunde beim Schrecken der Rehe lieber sofort anzuleinen.

 

Rehbrunft_A. Lindinger

Rehbrunft (A. Lindinger)

 

Wie Wildtiere im Sommer “cool” bleiben

„36 Grad und es wird noch heißer…“- unter diesem Motto stand das Wetter in den letzten Wochen in Oberösterreich. Bei dieser Rekordhitze ist nicht nur den Menschen, sondern auch den tierischen Waldbewohnern heiß. Dabei gibt es im Hitzeempfinden von Mensch und Tier einen großen Unterschied: Menschen können schwitzen, Wildtiere nicht. Letztere besitzen kaum bis gar keine Schweißdrüsen. Das mag zuerst als Nachteil erscheinen, aber unsere heimischen Wildtiere beherrschen durchaus Tricks, um bei den Rekordtemperaturen „cool“ zu bleiben.

Generell gilt: Wildtiere suchen, wie Menschen auch, Deckung auf. Sie treten an Hitzetagen tagsüber kaum aus dieser hervor und brauchen viel Ruhe. Aktivitäten wie das Fressen werden in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegt. Aber nicht nur schattige Plätze, sondern auch kühle Höhlen, Tümpel, Bäche oder Flüsse werden aufgesucht. Sie bewegen sich dabei so wenig wie möglich. Erst in den Abendstunden verlassen sie ihre Verstecke wieder und suchen Nahrung etc.

Fasan im Sommer_Böck

Wie sich die einzelnen Wildtierarten genau abkühlen, ist in der Übersicht gut dargestellt:

 TierartWie trotzen sie der Hitze? Wie machen sie das genau?Tipp
Füchse, Hunde, KatzenHechelnSpeichel verdampft und kühlt so (Jagd)Hunden immer genug Wasser bereitstellen
VögelHechelnSchnelles Atmen mit aufgesperrtem Schnabel transportiert warme Luft von der Lunge nach außen, kühle Luft dringt durch Lungen in den KörperVogeltränken im Garten mit Wasser füllen – Achtung: Hygiene!
FeldhasenOhren als HitzeableiterBlut kühlt in den dünnen, kaum behaarten Ohren vergleichsweise schnell ab
Rothirsche, WildschweineSuhlenSchlammpackung kühlt nicht nur, sondern schützt auch vor Bremsen und anderen lästigen Insekten
HonigbienenFlügelschlagenBienen fächern mithilfe ihrer Flügel warme Luft aus dem Stock

Rehwild: Paarungsstress im Hitzefieber
Die große Ausnahme bildet bei den ganzen „Hitzemaßnahmen“ das Rehwild: Ihre Paarungszeit liegt im Juli und im August. Durch die Hitze, die an den meisten Tagen im Sommer herrscht, setzen sie sich größten Anstrengungen aus. Bei der Rehbrunft locken die weiblichen Rehe, die Geißen, ihre Verehrer durch Wälder und Felder. Wie die Brunft genau abläuft, lesen Sie hier. Da sie – wie die anderen Wildtiere auch – keine Schweißdrüsen besitzen, ist die Brunft immens kräftezehrend. Daher ist nach der Brunftzeit einmal eine Ruhezeit angesagt.

 

Achtsames Miteinander

Mit den oben genannten Maßnahmen können sich Wildtiere fast genauso gut wie wir Menschen abkühlen. Was zurzeit allerdings sehr wichtig ist: Wie eingangs erwähnt suchen sich unsere heimischen Wildtiere ruhige Schattenplätze, wo sie sozusagen eine „Siesta“ halten. Das Elementarste dabei ist, diese dabei nicht zu stören. Oberösterreichs Jägerinnen und Jäger bitten deshalb Naturnutzer und Waldliebhaber um Rücksicht und ein achtsames Miteinander. Dies bedeutet, gerade im Sommer wenn möglich Wander- und Sportaktivitäten nicht am frühen Morgen oder am Abend zu verrichten und niemals die gekennzeichneten Wege zu verlassen. Die Wildtiere werden es Ihnen danken!

Bloggervorstellung Christopher Böck

Einblicke in die Welt der Jägerinnen und Jäger in Oberösterreich, Rezepttipps oder Themen der Jagd im Jahreszyklus, dies und noch viel mehr wird im neuen Blog des OÖ Landesjagdverbandes angesprochen, thematisiert und enttabuisiert. Heute stellen wir Ihnen einen unserer Blogger vor: Christopher Böck.

 

Mein Name ist Christopher Böck. Schon als Kind hat mich die Natur gefesselt und ich habe mit Freunden verschiedenste Tiere beobachtet, aber auch gefangen und nach einer gewissen Begutachtung aus der Nähe wieder ausgelassen. Der Beutetrieb ist also schon in mir gesteckt, obwohl ich mit der Jagd keinen näheren Berührungspunkt hatte.

Beim Studium der Zoologie in den 1990er Jahren hat mich dann die Wildbiologie und -ökologie in den Bann gezogen und die Anschaffung eines Hundes, der einer Jagdhunderasse angehörte, war dann der Weg zur Jagd.

Beruflich habe ich nach Ende des Studiums und des Präsenzdienstes beim OÖ Landesjagdverband als Wildbiologe angefangen.

 

Die Faszination der Jagd macht für mich die gesamtökologische Sichtweise sowie die Gewinnung des köstlichen Wildbrets aus. Vor allem mit dem Jagdhund durch das Revier zu streifen, Dinge zu sehen, die man als „einfacher Spaziergänger“ nicht sieht und letztlich das Jagen selbst – das übrigens nicht immer „Beutemachen“ bedeutet – sind der Reiz des Weidwerks. Und das einmal mehr, und einmal weniger; ein Wechsel also, der im Leben selbst auch immer das Salz in der Suppe ist.

 

Bis bald und Weidmannsheil,

Christopher Böck

Jagdhelfer Hund

Wenn man an einen Jäger denkt, hat man automatisch auch das Bild seines treuen Begleiters im Kopf: Seinen Jagdhund. Die Jagd und der Hund gehören über Jahrhunderte zusammen – daher kommt auch der altbekannte Spruch „Jagd ohne Hund ist Schund“.

Für Oberösterreichs Jägerinnen und Jäger bedeutet das Jagen mit dem Hund ein weid- und somit tierschutzgerechtes Jagen. Sie nehmen ihre Gefährten mit auf die Pirsch, um beispielsweise verletztes Wild nach Verkehrsunfällen aufzuspüren und zu erlösen. Zudem schreibt das Jagdgesetz vor, dass je nach Reviergröße mindestens ein Jagdhund gehalten werden muss, um eben dementsprechend Tierleid zu verkürzen oder überhaupt an die Beute zu kommen; man denke nur an die Entenjagd, wenn die Enten aus dem Wasser zu holen sind.

 

Über 2.300 Jagdhunde, die sich auf 43 Jagdhunderassen aufteilen, sind derzeit in Oberösterreich registriert. Diese Rassen teilen sich wiederum in sechs Jagdgebrauchshundegruppen auf, nämlich:

  • Erdhunde
  • Schweißhunde
  • Vorstehhunde
  • Jagende Hunde
  • Stöberhunde
  • Apportierhunde

 

RassegruppenEignungRasse
ErdhundeFolgen Raubwild unter die Erde und können es zum Verlassen des Baues bewegenDackel, Deutscher Jagdterrier, Jack Russell Terrier u.a.
SchweißhundeVerfolgt als Spezialist die Wundfährte des WildesBayrischer Gebirgsschweißhund, Hannoveraner u.a.
VorstehhundeZeigen dem Jäger entdecktes Wild durch regungsloses Verharren, das „Vorstehen“, heute Vollgebrauchshunde, d.h., sie sind für fast alle Möglichkeiten in der Jagd einsetzbarDeutsch Drahthaar, Weimaraner
Jagende HundeBracken und Laufhunde; zeigen reizvolle, jedoch heute sehr selten praktizierte Jagdart – das Brackieren. Die Hunde verfolgen in Waldgebieten lautgebend die Spur eines Hasens solange, bis dieser wieder am Ausgangspunkt vorbeikommtTiroler Bracke, Brandlbracke u.a.
StöberhundeSuchen selbstständig im Dickicht nach WildCocker Spaniel u.a.
ApportierhundeBringen Wild zum JagdhundeführerLabrador, Golden Retriever u.a.

 

 

Was macht einen Jagdhund zum Jagdhund?

Die meisten Welpen kommen im Alter von acht bis zehn Wochen zum neuen Besitzer. Die Jägerinnen und Jäger erziehen ihren Vierbeiner bereits nach einer kurzen Eingewöhnungsphase spielerisch. Die Ausbildung selbst übernimmt im Idealfall die Jägerin oder der Jäger selbst – baut man doch so eine gute Bindung, die im Revier benötigt wird, auf. Dabei sind Kurse unerlässlich, da die Anwesenheit anderer Hunde wichtig ist.

 

Die Ausbildung startet von Beginn an im Revier – so wird dem Hund, als auch der Jagdhundeführerin bzw. dem Jagdhundeführer eine praxisnahe Ausbildung ermöglicht. Im Revier kann auch gleich am besten mit den spezifischen Eignungen der Jagdhunderassen und der individuellen Eigenheiten gearbeitet werden.

 

Der Weg zum fermen Gebrauchsjagdhund – so werden die fertig ausgebildeten Jagdhunde in der Jägersprache genannt – ist nach etwa zwei Jahren erfolgt. Ständiges Training ist jedoch wesentlich, das kennt man ja von sich selbst auch: Wenn man etwas häufig macht, so kann man es fast im Schlaf…

 

Die Brauchbarkeitsprüfung kann allerdings schon nach einem Jahr abgelegt werden. Bei dieser Jagdhundeprüfung legt der Hund die Legitimation ab, dass er die Aufgaben eines Revierhundes im Sinne des Oö. Jagdgesetzes übernehmen kann.

Im Interview: Jungjägerin über die Jagdprüfung

Jungjägerin Christina MoserAlljährlich finden in Oberösterreich von April bis Juni die Jagdprüfungen statt. Dieses Jahr haben 532 Jungjägerinnen und Jungjäger die theoretische und praktische Prüfung erfolgreich geschafft. Eine davon ist Christina Moser, die in einem Interview mit Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner ihre Erfahrung mit der Jagdprüfung teilt.

 

Liebe Christina, wie bist du überhaupt zur Jagd gekommen und was hat dich dazu bewogen, die Jagdprüfung abzulegen?

Ich arbeite mittlerweile seit fast vier Jahren beim OÖ. Landesjagdverband im Sekretariat. Kurz darauf lernte ich meinen Freund kennen, der zufällig auch Jäger ist. Er nahm mich immer ins Revier mit. Dadurch bin ich überhaupt auf die Idee gekommen, die Jagdprüfung zu machen. Vor allem in der Natur zu sein gibt mir viel.

 

Was hat sich für dich seit dem Ablegen der Jagdprüfung verändert?

Mittlerweile nehme ich die Natur ganz anders wahr. Dadurch, dass wir für die Jagdprüfung umfangreiche Stoffgebiete lernen mussten, wie beispielsweise Wildtiere und Pflanzen und verschiedenste Vogelarten, fallen einem diese natürlich dann auf.

 

Hat dich der Kurs gut vorbereitet?

Ja, absolut. Der Kurs, der uns theoretisch als auch praktisch auf die Prüfung optimal vorbereitet hat, hat fünf Monate gedauert. Für mich persönlich war es von Jänner bis Mai eine anspruchsvolle Zeit, der Kurs fand zweimal die Woche statt, am Mittwochabend und am Samstagvormittag. Ab April war der Samstagskurs ganztägig und es kamen noch ein paar zusätzliche praktische Übungen dazu.

 

Wie hast du die Jagdprüfung empfunden?

Die Prüfung an sich war theoretisch sehr umfangreich. Es gab viele verschiedene Themengebiete und es war dementsprechend viel zu lernen.  Der größte Lernaufwand war für mich das Jagdgesetz. Das viele Lernen hat sich aber ausgezahlt!

Im praktischen Teil, also beim Schießen, mussten wir einerseits zwei von zehn Tontauben treffen und andererseits bei der Kugel in die Mitte einer Zielscheibe treffen. Das Tontaubenschießen war für mich zwar zuerst eine Herausforderung, wir wurden aber im Laufe des Kurses darauf gut vorbereitet.

 

Was würdest du angehenden Jungjägerinnen und Jungjägern zur Prüfung raten?

Auf jeden Fall bald genug zu lernen beginnen. Den Stoff darf man nicht unterschätzen. Immerhin muss man nicht nur weidmännische Fachbegriffe, sondern auch die Biologie eines jeden Wildtieres verstehen. Das Mitlernen im Kurs hat mir das Lernen für die Prüfung ungemein erleichtert. Besonders wichtig ist die regelmäßige Anwesenheit im Kurs, denn oft sind von den Vortragenden wichtige Details, die nicht in den Unterlagen stehen, erwähnt worden. Für die Prüfung haben wir auch Lerngruppen gebildet.

 

Wirst du jetzt gleich alleine ins Revier gehen?

Nein, ich werde erst meinen Freund regelmäßig auf die Pirsch begleiten. Die Jagdprüfung ist eine solide Grundausbildung, allerdings gibt es noch vieles zu lernen. Alleine durch das Begleiten langjähriger Jäger wird einem ihre Erfahrung zuteil.

 

Eine Frage zum Abschluss: Was fasziniert dich an der Jagd?

Dass man die Zusammenhänge des Ökosystems gut verstehen lernt. Außerdem ist das stille Beobachten draußen etwas Besonderes für mich, da ich ohnehin sehr naturverbunden bin.

 

Vielen Dank Christina für das spannende Interview!

 

Unter dem Link https://www.fragen-zur-jagd.at/aus-dem-jagdleben/2017/jagdpruefungen/ sowie hier: https://www.fragen-zur-jagd.at/jaeger-werden/ finden Sie alles rund um den Weg zur Jungjägerin und zum Jungjäger.

Frühlingsbeginn: Helfen Sie uns, die Jungtiere zu schützen

Die ersten warmen Tage haben ihn bereits angekündigt und am 21. März war es dann soweit: Der Frühling hat begonnen. Die Tage werden nun wieder länger, das Wetter wärmer und die Wiesen und Felder erwachen zu neuem Leben. Zeit für Naturliebhaber, die Wälder und Wiesen, also die Lebensräume unserer Wildtiere, wieder aktiver zu nutzen. Dass es bereits jetzt Jungtiere, Jungwild und auch kleine Feldhäschen – sogenannte „Fäustlinge“ – gibt, ist den Naturnutzern oft nicht bewusst. Für den Nachwuchs zählt vor allem Ruhe – ein gut gemeintes Streicheln oder gar ein Wegnehmen vom Nistplatz ist im Sinne des Tierschutzes zu unterlassen.

 

Feldhäschen und Eier: Auch unbeaufsichtigt noch lang nicht verlassen

AuerhuhnkückenSind die Mütter – egal ob bei Feldhasen, Rehen oder Enten – abwesend, heißt dies noch lange nicht, dass die Jungtiere oder Eier endgültig verlassen wurden. Die meisten Jungen sind es gewöhnt, dass die Muttertiere sie mehrere Stunden alleine lassen, um selbst auf Nahrungssuche zu gehen oder Fressfeinde von den Kleinen fernzuhalten. Junge Feldhasen werden beispielsweise nur ein- bis zweimal in 24 Stunden vom Muttertier aufgesucht.

Auch das Nest von Wildenten oder anderem Federwild sollte nicht berührt oder gar von nächster Nähe beobachtet werden. Der Grund: Die Mutter beobachtet die Eindringlinge und traut sich nicht mehr zum Nest. Dadurch kühlen die Eier aus und die Küken sterben unter Umständen.

 

Falsch verstandener Tierschutz – nämlich das Berühren, Wegtragen oder auch nur das Anfüttern – kann dazu führen, dass die Mutter die Jungtiere, wenn menschlicher Geruch anhaftet, verstößt. Gerade menschliches Eingreifen oder sogar Rettungsversuche enden für die Tiere oft nur in unnötigem Stress oder sogar im Tod. Sollten Sie oder Ihre Kinder Jungtiere unabsichtlich berührt oder gar mit nach Hause genommen haben, kann man versuchen, das Tier wieder dorthin zu bringen, wo es gefunden wurde. In diesem Fall sollten Sie es mit frischem Gras vorsichtig abreiben. Im Zweifelsfall bietet sich stets die Möglichkeit, einen lokalen Jäger oder eine Jägerin zu kontaktieren.

 

Zwischenfälle vermeiden: Hunde an die Leine

Der OÖ Landesjagdverband und dessen Jägerinnen und Jäger richten sich hiermit an die Hundehalter, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Selbst wohlerzogene Hunde vergessen die guten Manieren, wenn ihr Jagdinstinkt geweckt wird. Aufgeschreckte und gehetzte Wildtiere laufen auf Straßen und können Unfälle verursachen. Ein trächtiges Reh kann sogar im Schockzustand das Kitz verlieren.

 

Checkliste für Naturliebhaber, die im Frühling in den Wald gehen wollen:

  • Abstand von Wildtieren halten
  • Leise verhalten
  • Auf den Wegen bleiben
  • Hunde an die Leine

Finden Sie tatsächlich ein verletztes Jung- oder gar Muttertier, so bitten wir Sie, sich an den lokalen Jäger oder den OÖ Landesjagdverband zu wenden. Berühren Sie das Tier nicht und gönnen Sie ihnen Ruhe – auch während des Tages. Der OÖ LJV und die oberösterreichischen Jägerinnen und Jäger bedanken sich für Ihre Vor- und Rücksicht!

Junghase

Berufsjäger: “Kein Beruf, sondern Berufung!”

Interview mit Wildmeister Helmut Neubacher

WM Helmut Neubacher

 

 

Helmut Neubacher, Wildmeister und Obmann des oberösterreichischen Berufsjägerverbandes, arbeitet bei einer Forstverwaltung im Almtal und freut sich seit 37 Jahren täglich, in die Arbeit gehen zu können. In einem Interview gibt er Einblicke in den Alltag eines Berufsjägers.

 

 

  • Herr Neubacher, wie läuft ein Tag für Sie als Berufsjäger ab?

Als Berufsjäger richtet man sich nicht nach fixen Zeiten. Viel eher wird meine Arbeitswoche durch das Treiben der Natur bestimmt. Es geht beispielsweise um den Sonnenaufgang. Im Sommer starte ich demnach mit der Pirsch – also der eigentlichen Jagd – ganz früh, circa um vier Uhr morgens. Im Winter ist das anders, da jage ich eher am späteren Morgen und tagsüber. Wobei die Jagd selbst vielmehr durch die ständige Beobachtung des Wildes geprägt ist, als vom eigentlichen Akt des Erlegens. Danach erledige ich andere Tätigkeiten, wie zum Beispiel die Kontrolle und Instandhaltung von Steigen, Salzlecken, Hochständen, eigentlich aller jagdlichen Einrichtungen.

 

  • Was zeichnet dieses Berufsbild besonders aus?

Da man als Berufsjäger weder fixe Arbeitszeiten noch fixe Arbeitstage kennt, lebt man quasi im Rhythmus der Natur und verbringt den Großteil seiner Zeit im Wald. Dies setzt eine gewisse Flexibilität voraus, aber auch eine hohe Identifikation mit dem eigenen Tun. Dieses Berufsbild ist in meinen Augen daher weniger ein klassischer Beruf, als vielmehr eine Berufung, der man nur mit Leidenschaft und großem persönlichen Engagement entsprechen kann.

 

  • Was sind die Aufgaben eines Berufsjägers?

Die Tätigkeiten eines Berufsjägers werden grundsätzlich von den Zielvorgaben seines Arbeitgebers bestimmt. Im Grunde genommen geht es immer um die Regulierung von Wildbeständen. Um hierbei erfolgreich zu sein, erfordert dies eine Menge an „Zuarbeiten“. Also die ständige Kontrolle des Vegetationszustandes im Wildlebensraum, die Instandhaltung der jagdlichen Infrastruktur, die Wildtierfütterung im Winter als auch das Besorgen oder Herstellen der Futtermittel. Genau diese Tätigkeiten sind sehr wichtig, um der Verantwortung gegenüber dem Wald und dem Wild gerecht zu werden. Die eigentliche Jagd, hierin auch die Jagdgästeführung, ist dabei eine Aufgabe von vielen, wenn auch eine Wesentliche.

 

  • Welche Ausbildung benötigt man, dass man die Jagd als Beruf ausüben darf?

In Österreich wird aktuell an einem einheitlichen Ausbildungsmodell für diesen Berufsstand gearbeitet. Derzeit ist es noch so, dass in Oberösterreich vor Beginn der zweijährigen Lehre zum Berufsjäger einen Besuch der ebenfalls zweijährigen Forstschule empfohlen wird. Nach der anschließenden, eigentlichen Berufsjägerlehre wird vor der Landesregierung die Prüfung zum Berufsjäger abgelegt. Für die Berufsjäger gibt es nach erfolgreicher Absolvierung der Ausbildung die Möglichkeit, bei zwei verschiedenen Arbeitgebertypen zu arbeiten: Einerseits in Eigenjagdgebieten, wo der Grundeigentümer selbst das Jagdausübungsrecht inne hat oder andererseits bei einem Jagdpächter.

 

  • Wie groß ist ein zu betreuendes Revier?

Diese liegen deutlich über 1.000 Hektar – ein typisches Berufsjägerrevier hat ungefähr 1.500-2.500 Hektar. Das entspricht circa einer Fläche von 2.500 Fußballfeldern. Hierbei sollte nicht übersehen werden, dass die meisten Berufsjäger im Gebirge beheimatet sind. Was wiederum bedeutet, dass sie bei der Ausübung ihrer Tätigkeit in den überwiegenden Fällen zu Fuß unterwegs sind.

 

  • Wie viele Berufsjäger gibt es derzeit in Österreich?

Derzeit gibt es circa 500 im Dienst stehende Berufsjäger österreichweit. Auf Oberösterreich kommen 40 Berufsjägerinnen und Berufsjäger.

 

  • Was sind die Beweggründe, Berufsjäger werden zu wollen?

Viele Berufsjägerinnen und Berufsjäger kommen über Umwege zu ihrem Beruf: Die meisten haben in jungen Jahren oft einen Ausbildungsweg gewählt, der im Grunde wenig mit der Jagd zu tun hat. Dennoch besteht das Interesse bei vielen schon von klein auf oder ist mitunter bereits durch das familiäre Umfeld geprägt. Einige der zukünftigen Berufsjägerinnen und Berufsjäger haben auch bereits in der Jugend die Jagdprüfung abgelegt und sind in ihrer Freizeit bereits zur Jagd gegangen. Ausschlaggebend für die Entscheidung, beruflich auf die Pirsch gehen zu wollen, ist oftmals die Nähe zum Wildtier und seinem Lebensraum. Daraus resultiert oft der Wunsch genau diesem Umfeld sein Berufsleben zu widmen, um sich praxisnahe für Wild und Wald einsetzen zu können.

 

  • Wieso haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Ich habe meine Kindheit und Jugend ausschließlich im Wald verbracht. Mit 14 habe ich dann eine Ausbildung zum Maschinenbauer begonnen und auch abgeschlossen. Allerdings ist einem mit 14 nicht immer klar, was man im Leben überhaupt machen möchte. Mir wurde erst durch die eingeschlagene technische Ausbildung bewusst, dass es ohne den Wald nicht geht. Den Beruf „Berufsjäger“ vor Augen, habe ich dann zuerst die Forstwartschule besucht und mit 22 an der Oö. Landesregierung die Prüfung zum Berufsjäger abgelegt. Mittlerweile habe ich 37 Jahre ausschließlich der Berufsjagd gewidmet. Die Richtigkeit meiner Entscheidung drückt sich in nichts besser aus, als dass es für mich, auch nach so langer Zeit, eine besondere Freude ist, meine Arbeitsstätte, den Wald, täglich aufsuchen zu können.

 

„Fragen zur Jagd“ dankt WM Helmut Neubacher für das Interview.

Einblicke in einen Bezirksjägertag

Alljährlich versammeln sich zahlreiche Jägerinnen und Jäger eines Bezirkes bei ihrem Bezirksjägertag, um gemeinsam das letzte Jahr Revue passieren zu lassen und in die jagdliche Zukunft zu schauen. Im Zentrum der Ansprachen, Vorträge und Podiumsdiskussionen stehen dabei oft die gut gelungenen Maßnahmen, als auch die aktuellen Probleme der Jagd im jeweiligen Bezirk.

Alle sechs Jahre findet zudem im Rahmen der Bezirksjägertage die Bezirksjagdausschusswahl inkl. der Bezirksjägermeister statt – es wird also eine Mannschaft sowie eine Jägerin oder ein Jäger als Bezirksjägermeister gewählt, der bzw. die den jeweiligen Bezirk die nächsten sechs Jahre repräsentiert und die Arbeit kanalisiert. Heuer – 2019 – werden wieder die Ämter der Bezirksjagdausschüsse, als auch das des Landesjägermeisters vergeben.

Aufbau des Bezirksjägertages
Die Bezirksjägertage sind je nach Bezirk ein wenig verändert aufgebaut, jedoch ergibt sich meist eine ähnliche Reihenfolge während der Veranstaltung.

 

Zu Beginn werden Grußworte des Bürgermeisters jener Gemeinde, in dem der jagdliche Feiertag stattfindet, sowie vom Bezirksbauernvertreter verkündet. Bevor es mit den Reden des Vertreters des Forstdienstes und des Bezirkshauptmannes weitergeht, wird zwischendurch die Stimmung mit einem Jagdhornhornbläserstück der lokalen Jagdhornbläsergruppe aufgelockert. Optional gibt es einen Bericht des Jagdhundereferenten. Der Bezirksjägermeister spricht über die jagdlichen Ereignisse im Vorjahr. Dabei werden die positiven Dinge, als auch die Probleme innerhalb des Bezirks besprochen, aber auch in die Zukunft geschaut. Es folgen jeweils ein Referat des politischen Jagdreferenten sowie des Landesjägermeisters.

Im Anschluss werden Ehrenurkunden und Verdienstabzeichen überreicht – diese gibt es beispielsweise für die langjährige Jagdausübung oder den Einsatz für die Artenvielfalt.

Die Dauer des Bezirksjägertages ist natürlich abhängig von dem Programm; meistens dauert ein Bezirksjägertag zwei bis drei Stunden.

LJM Brandmayr am Bezirksjägertag

Schneemassen in OÖ: Wie Sie Wildtiere sowie Jägerinnen und Jäger unterstützen können

Unsere heimischen Wildtiere sind grundsätzlich gut an den Winter angepasst und können auch mit extremen Wettersituationen umgehen. Die extremen Schneemassen der letzten Wochen verlangen derzeit in Oberösterreich nicht nur den menschlichen Bewohnern alles ab, sondern auch unseren heimischen Wildtieren und der Jägerschaft. Das Schneechaos sorgt bei Gams-, Rot- und Rehwild nicht nur für Nahrungsknappheit, sondern bringt auch eine erhöhte Lawinengefahr mit sich.

Die oberösterreichische Jägerschaft ersucht Naturnutzer daher jetzt, Wildtiere nicht zu stören: Denn um gut durch den Winter zu kommen, bedarf es der Rücksicht durch den Menschen. Um den Wildtieren die erforderliche Ruhe zu ermöglichen, herrscht bei Oberösterreichs Jägerinnen und Jägern seit 1. Jänner 2019 Jagdruhe – das heißt, dass Gams-, Rot- und Rehwild nicht bejagt werden. Eine artgerechte Zufütterung durch die Jäger erleichtert den Wildtieren zudem das Überleben.

 

Tiere brauchen Ruhe

Feldhase im WinterversteckSind Wildtiere ungestört, senken sie die Herz- und Atemfrequenz ab, um Energie zu sparen. Besonders gefährlich wird es daher für die Tiere dann, wenn sie aufschrecken. Denn jede Flucht oder jedes aktive Verstecken greift die Energiereserven der Tiere zusätzlich an und steigert den Nahrungsbedarf. Plötzliche und unberechenbare Störungen (abseits von Wegen und Pisten) wirken sich besonders negativ aus. Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung, also zur Hauptzeit der Nahrungsaufnahme, gilt es, Ruhe walten zu lassen. Rehe, Hirsche, Gämsen und andere versuchen sich den Störungsquellen großräumig zu entziehen und verbrauchen vor allem bei hoher Schneelage viel Energie bei ihren Fluchten.

Durch die Flucht verbrauchte Energie muss durch Nahrungsaufnahme wieder zugeführt werden. Kommt es hingegen zu wiederholten Störungen, kann dies – trotz vermehrter Fressaktivität – zum Hungertod führen. Sportbegeisterte und Naturliebhaber sollten daher besonders auf die Ruhe- und Rückzugsbereiche der Wildtiere achten. Der stille Dank der Tiere ist ihnen gewiss!

 

Artgerechte Fütterung in Notzeit

Um das Überleben der Tiere trotz der teilweise ungewöhnlich hohen Schneemengen zu sichern, sind viele Jäger zurzeit unter schwierigsten Bedingungen in den Revieren unterwegs. Die dicke Schneedecke erschwert es den Wildtieren Nahrung zu finden. Die artgerechte Fütterung durch die Jägerschaft ist daher umso wichtiger. Die Herausforderung dabei: Kaum zugängliche Reviergebiete und erschwerte Lagerung als auch Transport des Futters. Bedenkt man, dass ein Hirsch mehrere Kilo Trockensubstanz am Tag benötigt, so stellt die artgerechte Zufütterung eine echte Herausforderung für Oberösterreichs Jägerinnen und Jäger dar. Die artgerechte Fütterung ist vor allem ein Ersatz für die verloren gegangenen Rückzugsorte des Wildes und dienen der Schadensvermeidung in den forstwirtschaftlich genutzten Wäldern.

 

Doch damit nicht genug: Durch die immer mehr vordringende Kulturlandschaft mit ihrer Zerschneidung, Zersiedelung etc. sind Orte, an die die Tiere ausweichen und auch im tiefsten Winter Nahrung finden könnten, rar geworden. Oberösterreichs Jägerinnen und Jäger schaffen durch ihre Einsätze großen ökologischen Mehrwert. Ohne den großen Einsatz der Jägerschaft in Oberösterreichs Revieren würden viele Tiere sicherlich die Schneemassen nicht überleben.

 

Lawinengefahr – auch für Wildtiere

Nicht nur die fehlende Nahrung ist für die Wildtiere eine echte Herausforderung, sondern auch die Schneedecken, die regelmäßig abgehen. Vor allem für das Gamswild, das oben in den Bergen lebt, sind Lawinen eine Gefahr. Werden diese von einer abgehenden Schneemasse mitgerissen, haben sie keine Chance mehr zu entkommen. Genaue Zahlen zum Fallwild, also Wildtiere, die durch Naturereignisse, wie die aktuellen Schneemengen umkommen, können jedoch nicht ermittelt werden. Viele der verschütteten Wildtiere werden gar nicht gefunden. Doch auch das gehört zur Natur…

Rehsprung im Winter