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Die Jagd in der Stadt

Stadt, Land, Fluss – Jagd und Wild

Rehsprung Pöstlingberg_L.SchmidIn der Stadt gibt es doch keine Wildtiere? Und ob es die gibt: Steinmarder beschädigen die Kabel der Autos und Rehe naschen Rosenknospen im Garten, in Deutschland verwüsten Waschbären Dachböden und Wildschweine graben Spielplätze um. Auch nehmen Feldhasen oftmals Friedhöfe oder Parks für sich ein. In diesen Fällen wird die Jagd benötigt, um für ein gemeinsames Miteinander einzutreten. „Stadtjäger“, wie die Weidmänner und Weidfrauen in den großen Städten auch genannt werden, sind daher unverzichtbar.

Auf der Website www.fragen-zur-jagd.at  hat der OÖ Landesjagdverband einige Themen und Fragen der nicht jagendenden Bevölkerung zum Thema: Die Jagd in der Stadt aufgegriffen.

 

Gibt es Jäger nur am Land oder auch in der Stadt?

Beim Gedanken an die Jagd sowie an Jägerinnen und Jäger kommen Bilder von weitflächigen Gebieten in den Sinn, die von zahlreichen Wildtieren in unterschiedlichsten Lebensräumen bewohnt werden. Statistiken des OÖ Landesjagdverbandes zeigen, dass 95 Prozent der 19.100 Weidmänner und Weidfrauen in Oberösterreich den vielfältigen Aufgaben in ländlichen Revieren nachgehen. Doch der Anteil der Jäger in den großen Städten ist ebenso beachtlich. So sind in der Landeshauptstadt Linz 656, in Steyr 164 und in Wels 242 Jägerinnen und Jäger aktiv tätig.

 

Was sind die Aufgaben der „Stadtjäger“?

In jeder Stadt befinden sich kleinere Wälder, größere Wiesengebiete oder anders landwirtschaftlich genutzte Flächen und genau hier findet die Jagd statt. Auch kann es vorkommen, dass in Gebieten, wo eigentlich die Jagd ruht, wie zum Beispiel auf Friedhöfen, in öffentlichen Parks und Anlagen die Jagd ausgeübt werden muss. In den Städten sind die Aufgaben für die Jäger damit ebenso Vielfältig wie am Land:

 

Fallwild

Nicht nur auf Landstraßen, sondern auch im dicht und gut ausgebauten Stadtstraßennetz fällt Wild dem starken Verkehr zum Opfer. Die Jägerinnen und Jäger sind bei Wildschäden über die Polizei zu informieren. Auch werden Wildwarngeräte von der Jägerschaft an besonders gefährlichen Straßenabschnitten in den urbanen Regionen angebracht.

 

Raubwildbejagung

Seit Jahrzehnten stehen dem Fuchs, dem Dachs oder auch dem Marder in unseren Breiten keine natürlichen Feinde mehr gegenüber. Die Tollwut wurde ja ausgerottet. Die hohe Anpassungsfähigkeit vor allem von Meister Reinecke, verhilft dem Fuchs auch dazu, dass er in dichtbesiedelte Wohn- und Industriegebiete und in Großstädte vordringt. Auch finden die Wildtiere in der Stadt leicht Nahrung, wie Abfälle aus Biotonnen, Stadttauben, Ratten oder Mäuse. Die Jagd ist hier der einzige Regulator für das Raubwild. Die Bejagung des Fuchses, aber auch der anderen größeren und kleineren Raubtiere findet oft mittels Lebendfallen statt. Die Jägerinnen und Jäger sind darauf bedacht, die Tiere in diesen Fallen weidgerecht einzufangen und zu töten.

 

Dialog mit Freizeitnutzern

Die städtische Bevölkerung sucht zunehmend Erholung in den Wäldern und in der Natur. So am Bauern- oder Pöstlingberg, auf der Urfahraner Donaulände oder in den Traunauen Ebelsberg in Linz oder am Traunufer in Wels. Mit dieser verstärkten Nutzung entsteht ein neues Miteinander zwischen den Menschen und den Wildtieren wie Reh, Hase und Co. Daher braucht es auch in den Städten die Weidmänner und Weidfrauen um den aktiven Dialog mit der nicht jagenden Bevölkerung zu führen und diese für die Bedürfnisse der heimischen Wildtiere, aber auch für den Lebensraum zu sensibilisieren. Achten Freizeitnutzer auf die vorgegebenen Regeln und Gesetze, dann entsteht untereinander und auch mit den Tieren ein harmonisches Miteinander.

 

Warum kommen immer mehr Wildtiere in die Stadt?

Immer mehr Wildtiere entdecken die Stadt für sich. Viele kommen nur nachts während ihrer Sparziergänge in die Wohngebiete am Stadtrand, wie Wildschweine. Andere Tiere wie Marder, Igel oder Echsen haben sich in Dachböden, Gartenhäuschen oder Parks eingenistet. Vor allem die intensiv genutzte Kulturlandschaft, aber auch Küchenabfälle, Mäuse und die Vielfalt der Gärten locken die Tiere in die städtischen Wohngegenden. Sind die Bedingungen zur Vermehrung gut, gibt es zahlreichen Nachwuchs. Dieser braucht neue Reviere und weicht in die Städte aus. Die Jägerinnen und Jäger agieren zum Schutz der Tiere, aber auch zum Schutz der Bevölkerung. Die Jägerschaft ist bestrebt mit Lebensraumverbesserungen, wie Hecken- und Wildackerpflanzungen, die Tiere wieder in ihre gewohnte Umgebung zu leiten. Dabei wird dem Wild auch Nahrung zur Verfügung gestellt und Schäden in der Forstwirtschaft, wie durch das Abfressen der Jungbaumtriebe, können verhindert werden. Neben der Hege der Lebensräume müssen auch Populationen sowie natürliche Raubfeinde reguliert werden.

 

Woher soll man Wildbret beziehen, wenn man in der Stadt wohnt?

In den ländlichen Regionen bieten Jägerinnen und Jäger frisches Wildbret zerlegt, portioniert und verpackt zum Kauf an. Erhältlich ist dieses meist direkt beim Jäger oder vom örtlichen Fleischhauer. Fleisch von Reh, Wildschwein, Hirsch, Gämse, Hase, Fasan oder auch Ente kann beinahe das ganze Jahr über bezogen werden. Neben dem Fleisch werden auch verarbeitete Produkte, wie Wildwurst, Schinken, Salami und vielen weiteren Spezialitäten immer beliebter. Auskunft über Bezugsquellen von biologischem und heimischen Wildbret gibt die Gemeinde oder der Jagdleiter. Die Wildbretvermarktung ist auch ein wesentlicher Schwerpunkt der „Stadtjäger“. Bei den nachstehenden Kontakten können Sie frisches Wildbret erwerben:

 

Bezirke Linz und Linz-Land:

Jagdgesellschaft Ansfelden

  • Hannes Langmayr, Tel: 0676/545 97 67

Wildart: Reh

 

Jagdgesellschaft Hofkirchen

  • Sepp Nöbauer, Tel: 0664/580 45 76,

Wildart: Reh, Fasan und Hase

 

Jagdgesellschaft Enns

  • Thomas Reisinger, Tel: 0664/128 01 02, 07223/ 823 46,

Wildart: Reh, Fasan und Hase

  • Jagdleiter DI Karl Zittmayr, Tel: 0664/ 452 35 36

Wildart: Reh, Fasan und Hase

 

Jagdgesellschaft Kronstorf

  • Johannes Forstner, Tel: 0650/223 17 98,

Wildart: Reh, Fasan und Hase

 

Jagdgesellschaft Neuhofen

  • Karl Gundendorfer, Tel: 0676/471 00 00

Wildart: Reh, Fasan und Hase

  • Karl Rogl, Tel: 0650/330 78 98

Wildart: Reh, Fasan und Hase

 

Jagdgesellschaft Oftering

  • Anton Hainzl, Tel: 0664/73 66 26 81

Wildart: Reh, Fasan und Hase

  • Jagdleiter Thomas Reckendorfer, Tel: 0676/814 714 442,

Wildart: Reh, Fasan und Hase

 

Eigenjagd Tillysburg

  • Jagdleiter Nikolaus Spiegelfeld, Tel: 0669/19 26 17 80,

Wildart: Reh, Hase, Fasan

 

Bezirke Steyr und Steyr-Land

  • Florian Grims, Tel: 0680/406 67 55,

Wildart: Reh, Hirsch, Niederwild (Hase und Fasan), Schwarzwild (Wildschwein), Gams

  • Michael Grims, Tel: 0650/283 37 76, michaelgrims@gmx.at

Wildart: Reh, Hirsch, Niederwild (Hase und Fasan), Schwarzwild (Wildschwein), Gams

  • Karl Grims, Tel: 0664/141 39 51,

Wildart: Reh, Hirsch, Niederwild (Hase und Fasan), Schwarzwild (Wildschwein), Gams

 

Bezirke Wels und Wels-Land

Jagdgesellschaft Sipbachzell

  • Alfred Weinbergmair, Tel: 0699/11 41 09 02, weinbergmair@aon.at

Wildart: Reh

Jagdgesellschaft Thalheim bei Wels

  • Hannes Pühringer, Tel: 0680/210 59 01

Wildart: Reh, Fasan, Hase, Ente

 

Weitere Wildbretlieferanten in Ihrer Region finden Sie im Internet auf www.wildbret.at und auf www.ooeljv.at/jagd-in-ooe/wildbret-rezepte/wildbret-direkt-vom-jager/

Drohnen für die Jagd

Mit Drohnen in luftigen Höhen unterwegs  

Kitzrettung vor der Mahd_Dr. Moser

 

Als fliegende Jagdhelfer werden von den Jägern immer öfter sogenannte Drohnen und kleinere Fluggeräte eingesetzt. Eine Drohne ist ein unbemanntes Luftfahrzeug, das vom Boden aus mit einer Fernsteuerung oder durch einen Computer bedient wird. An den Flugobjekten sind auch Kameras montiert, die Bild- und Videoaufnahmen aufzeichnen. Das Jagdrevier zeigt sich damit aus einer ganz neuen Perspektive.

 

 

Drohneneinsatz in der Jagd

Ein Blick aus der Luft eröffnet der Jägerschaft neue Perspektiven, auch im vertrauten Jagdrevier. Daher werden ab und zu auch Drohnen zur Jagd und im Rahmen der facettenreichen Aufgaben der Jägerinnen und Jäger eingesetzt:

 

  • Kitzrettung

Drohnen kommen im heutigen Jagdalltag bei der Kitzrettung im Frühsommer zum Einsatz. Dabei fliegen die Objekte bis 100 Meter über die Wiese und suchen mittels Wärmebildkameras nach Rehkitzen, die im hohen Gras liegen und sich verstecken. Wenn die Kamera ein Kitz erspäht, wird das Bild auf einem Bildschirm am Boden angezeigt. Der Jäger geht dann vorsichtig hin, hebt das Kitz aus dem Gras und setzt es, in angemessener Entfernung zur Wiese, die gemäht wird, in einer Schachtel zum Schutz des Kitzes ab. Der Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras bringt große Erfolge und vielen Kitzen ist damit das Überleben sicher – gelebter Tierschutz also.

https://www.fragen-zur-jagd.at/aus-dem-jagdleben/2017/kitzrettun-zur-maehzeit/

 

 

  • Zurück in den Lebensraum

Aufgrund des teilweisen starken Anstiegs der Wildschwein-Population, wird der Bestand des Schwarzwildes mittels Drohnen beobachtet. Mit den Luftaufnahmen werden die Sauen deutlich im hohen Mais wahrgenommen. Die Drohne beunruhigt mit den Fluggeräuschen das Wild. Die Tiere ziehen sich aus den Feldern, in denen sie Nahrung suchen und erhebliche Schäden anrichten können, wieder in ihren geschützten Lebensraum zurück. So werden die Tiere vom Feld zurück in den Wald „getrieben“. Während dieser Aktion kann es durch Jägerinnen und Jäger auch zur Regulation des Schwarzwildbestandes kommen.

 

  • Falknerei

Die modernste Technik wird aber auch in der Falknerei eingesetzt. Die Vögel erlernen ihre Aufgaben immer häufiger unter der Anwendung von Drohnen. Um Geschicklichkeit, Kraft und Schnelligkeit zu trainieren und zu fördern, wird als sogenanntes Trainingsgerät ein Federspiel für Flugwildjäger eingesetzt. Dabei wird die Attrappe an die Drohne gehängt und Habicht, Falke und Co. müssen hinterher. Für die Bodenjäger wird hingegen ein Hasenbalg eingesetzt. Diese Beuteattrappen werden an Drohnen befestigt, da die Beutetiere noch besser nachgeahmt werden können.

https://www.fragen-zur-jagd.at/aus-dem-jagdleben/2017/falknerei-ist-zucht-schutz-jagd-und-kulturerbe/

 

 

Die Drohne abseits der Jagd – bitte beachten!

Zahlreiche Kinder- und auch so manche Erwachsenenaugen strahlten wohl heuer beim Öffnen der Geschenke ganz besonders: Zu Weihnachten lagen viele Spielzeugdrohnen und andere Fluggeräte unter dem Christbaum. Seit einigen Jahren erfreut sich dieses Spielzeug immer größerer Beliebtheit. Wer eine Drohne geschenkt bekommt und diese gleich ausprobieren möchte, sollte aber einige Dinge beachten. Vor allem wenn die Drohne mit einer Kamera ausgestattet ist, gilt es bestimmte Richtlinien einzuhalten.

 

Eine Bewilligung wird benötigt, wenn …

Alle Drohnen mit Kamera, die schwerer als 250 Gramm sind, brauchen eine Bewilligung der Luftfahrtbehörde. Drohnen bis 150 Kilogramm dürfen zudem nur mit Sichtkontakt bis zu einer Höhe von 150 Metern verwendet werden, brauchen eine Versicherung und es gibt strenge Richtlinien, wo mit diesen Drohnen geflogen werden darf.

 

Der Pilot einer Drohne hat stets darauf zu achten, dass durch den Betrieb der Flugmodelle keine Personen oder Gegenstände gefährdet werden.

Laut Austro Control, der Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt, gibt es auch Lufträume, die nicht für das Fliegen mit Drohnen zugelassen sind, wie in der Nähe von Flughäfen oder Flugplätzen.

 

Eine Bewilligung wird nicht benötigt, wenn …

Spielzeugdrohnen, die weniger als 250 Gramm wiegen und über eine Kamera verfügen, brauchen keine luftfahrtrechtliche Bewilligung. Jedoch dürfen diese eine Flughöhe von 30 Meter nicht überschreiten und nur auf Sicht geflogen werden.

 

Drohnen, die gegen Entgelt oder für gewerbliche Zwecke verwendet werden, wir zum Beispiel für Foto- und Filmaufnahmen, brauchen keine Bewilligung der Austro Controll.

 

Austro Control: Genehmigung einholen

Die Bewilligung, eine Drohne zu lenken, ist befristet und mit einigen Auflagen wird diese dann von der Austro Control erteilt. Zu achten ist darauf, dass niemand gefährdet oder verletzt, und dass nichts beschädigt wird. Eine Drohne darf keine Bilder von Personen aufnehmen, die dies nicht möchten. Bei allen Drohnen mit Kamera ist der Personenschutz einzuhalten. Nutzer müssen sich auch darüber informieren, ob der Grundstückeigentümer einverstanden ist, dass von seinem Grundstück aus gestartet wird.

 

Das brauchen Sie für die Einholung der Genehmigung:

  • Das Antragsformular unter https://www.austrocontrol.at/jart/prj3/austro_control/releases/de/upload/5_Antragsformular.pdf downloaden und ausfüllen
  • Beschreibung des unbemannten Luftfahrzeuges (Foto-Dreiseitenansicht)
  • Betriebsgrenzen (max. Betriebsmasse, max. Bodenwind, etc.); diese Informationen sind der der jeweiligen Betriebsanleitung zu entnehmen.
  • Versicherungsbestätigung – Luftfahrzeughaftpflichtversicherungen werden von allen größeren Versicherungen, auch unserem Partner, der OÖ Versicherung, angeboten (Deckungssumme mind. € 750.000.-).
  • Amtlicher Lichtbildausweis des/der Piloten – Mindestalter 16 Jahre

 

Senden Sie das vollständig ausgefüllte Antragsformular samt Anhängen an Die Genehmigung wird Ihnen zugeschickt. Die Kosten für eine Bewilligung, die auf ein Jahr befristet ist, belaufen sich auf rund 330 Euro.

 

Weitere Informationen über die Anmeldung der Drohne finden Sie unter https://www.austrocontrol.at/luftfahrtbehoerde/lizenzen__bewilligungen/flugbewilligungen/unbemannte_lfz

 

Versicherung für den Fall der Fälle

Sollte eine Drohne abstürzen oder außer Kontrolle geraten, ist das Gefahrenpotenzial groß und kann erhebliche Personen- oder Sachschaden verursachen. Es empfiehlt sich daher der Abschluss einer entsprechenden Haftpflichtversicherung. Sollte der Betreiber und Pilot der Drohne in unerlaubten Gebieten und Höhen fliegen, wird allerdings auch die Versicherung aussteigen und im Schadensfall kein Geld aufbringen. Achtung: In einer herkömmlichen Haushaltsversicherung oder in einer Privathaftpflichtversicherung sind Schäden durch die Haltung oder Verwendung von Luftfahrzeugen nicht inkludiert und mitversichert.

 

Mer zum Thema: Drohnen in der Jagd finden Sie auf der Internetseite des OÖ Landesjagdverbandes http://www.ooeljv.at/aktuelles/aktuelles-termine/voraussetzung-zur-verwendung-von-drohnen-bei-der-jagd/

Der Luchs in Oberösterreich

Der Luchs: Das scheue Raubtier entzückt und polarisiert. Denn für die einen ist er eine Bereicherung für die Natur und dient zum Erhalt der Artenvielfalt, für andere ist er eine Bedrohung, verscheucht und reißt das Rehwild. Die Experten, Bezirksjägermeister von Rohrbach Martin Eisschiel und Franz Wolkerstorfer, leidenschaftlicher Jäger in Schönegg, tauschen sich über die Pinselohren, die wieder vermehrt in Oberösterreich gesichtet werden, aus.

Martin Eisschiel

BJM Martin Eisschiel (Foto: Lukas Lindorfer)

 

 

Wie stehen Sie zum Luchs und zu dessen Rückkehr und Wiederansiedelung in Oberösterreich?

Martin Eisschiel: Ich stehe sehr positiv zur Wiedereingliederung des Luchses in unseren Lebensraum und sehe die scheuen Raubtiere als Bereicherung für die Natur. Die verschiedensten Projekte in den Nationalparks dienten und dienen dazu, dass sich die Tiere langsam und in einer geschützten Umgebung akklimatisieren konnten. Mittlerweile wandert die Luchspopulation aus den angrenzenden Nachbarländern, aber auch aus den Nationalparks in ganz Österreich herum und sucht sich selbst ihre lebenswerten Reviere. Sie kennen keine Grenzen. Diese Rücksiedlung der Luchse war ein wichtiger Schritt.

 

 

 

Franz Wolkerstorfer

Franz Wolkerstorfer (Foto: Alexander Kaiser)

Franz Wolkerstorfer: Grundsätzlich sehe ich es ebenso als sehr positive Entwicklung, dass sich der Luchs bei uns in Oberösterreich wieder ansiedelt. Es bedeutet, dass unsere Kulturlandschaft wieder einen Schritt in Richtung Ursprünglichkeit gemacht hat. Seine Rückkehr zeigt an, dass wir eine intakte Natur haben und das ist natürlich grundsätzlich gut – für Tiere, Pflanzen, Menschen und auch die Jagd.

 

Luchse sind scheue Tiere, die auch nur nachts unterwegs sind. Konnten Sie dennoch bereits einen Luchs mit eigenen Augen beobachten?

Martin Eisschiel: Ich hatte das große Glück und konnte einen Luchs im Böhmerwaldgebiet im Dezember 2015 beobachten. Ein faszinierendes Erlebnis.

 

Franz Wolkerstorfer: Sichtungen gab es bereits mehrere, auch ich durfte bei einem Ansitz auf Wildscheine in einer hellen Vollmondnacht den Luchs gemütlich über die Waldwiese spazieren sehen.

 

 

Könnten aufgrund der Rückkehr der Pinselohren auch Probleme auftreten?

Martin Eisschiel: Es könnte auch negative Auswirkungen geben, ja: eine „Überpopulation“ zum Beispiel. Bei einer zu hohen Population und den damit verbundenen vermehrten Rehrissen wird es sehr schwierig, die gesetzlich vorgeschriebenen Abschusspläne zu erfüllen. Denn das Rehwild wird immer mehr zurückgetrieben, es wird für uns Jäger unsichtbar und nachtaktiver. Dadurch wird die Jagd bedeutend schwieriger.

 

Franz Wolkerstorfer: Ich denke nicht, dass mit der Rückkehr der Pinselohren

Probleme auftreten. Der Luchs ist nun eben ein natürlicher Konkurrent für uns Jäger. Allerdings ist das Revier eines Luchspärchens meist über 10.000 Hektar groß. Die Rehe schützen sich ja auch selbst, denn sie werden bei der Anwesenheit vom Luchs sofort vorsichtiger, ziehen unregelmäßiger aus und halten ihre gewohnten Wege nicht mehr ein.

 

Martin Eisschiel: In der momentanen Situation sehe ich die Population der Luchse bei mir im Bezirk Rohrbach bzw. dem Böhmerwaldgebiet als gesichert, aber auch als ausreichend an. Wir zählen circa fünf Tiere und bald ist die Zeit des Nachwuchses. Bei uns im Bezirk sind meiner Meinung nach, keine weiteren Auswilderungen nötig.

 

Franz Wolkerstorfer: Auch wenn es einige Rehrisse gibt oder geben wird, so fordert der Straßenverkehr wesentlich mehr Rehopfer als der Luchs reißt und an Nahrung braucht.

 

Martin Eisschiel: Die betroffenen Reviere, in welchen jedoch vermehrt Rehrisse vorkommen, werden immer unattraktiver für Pächter, da auch die Einnahmen durch den Wildbretverkauf fehlen.

 

Luchse sind ganzjährlich geschont. Wären Sie bei einer zu hohen Population und Problemen für einen Abschuss?

Franz Wolkerstorfer: Es darf zu diesem Zeitpunkt zu keinem Abschuss kommen. Wie bei allen jagdbaren Arten, soll es erst dann erlaubt sein die Luchse zu schießen, wenn es eine wirkliche „Überpopulation“ sowie eine Gefährdung gibt, und damit eben eine Bestandsregulierung notwendig wird.

 

Martin Eisschiel: Auch ich spreche mich klar gegen einen Abschuss in der momentanen Situation aus. Ich weise bei den Jagdleitersitzungen auch immer wieder auf den Schutzstatus des Luchses hin und kann mich auf die Gesetzestreue meiner Jäger verlassen. Sollte sich ein Jäger jedoch nicht daran halten, muss er natürlich die Konsequenzen selbst tragen und kann keine Nachsicht erwarten.

 

Wie wird die Rückkehr des Raubtiers in der Jägerschaft angenommen?

Martin Eisschiel: Der Luchs wird von der Jägerschaft als Teil der Natur gesehen und respektiert. Eine enge Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis des Naturschutzes und der Jägerschaft ist der Grundstein für die Akzeptanz dieser schönen Wildart in unseren Revieren.

 

Stellt der Luchs, der ja trotz allem ein Raubtier ist, eine Bedrohung für die Bevölkerung dar?

Franz Wolkerstorfer: Der Luchs verbreitet keine Angst in der Bevölkerung. Die allermeisten wissen auch Bescheid, dass er bei uns durch die Wälder streift. Es ist eher so, dass man darauf stolz ist, in einer Gegend zu wohnen, wo die Natur ursprünglich genug ist, dass sich auch der Luchs heimisch fühlen kann.

 

Der OÖ Landesjagdverband setzt sich gemeinsam mit der OÖ Landesregierung und diversen Naturschutzorganisationen verstärkt für die erfolgreiche und vor allem nachhaltige Besiedelung der Luchse in Oberösterreich ein. Umfangreiche Maßnahmen zur Information über die Pinselohren und Akzeptanzsicherung in der Jägerschaft sowie der breiten Öffentlichkeit, eine Intensivierung des Monitorings und konkrete Artenschutzmaßnahmen ermöglichen ein zukunftsgerichtetes Luchsmonitoring. Mehr Informationen unter http://www.ooeljv.at/aktuelles/aktuelles-termine/lr-hiegelsberger-wolfsmanagementplan-runder-tisch-startet/